Von Martin Scheele
Aus der Krise wurden Lehren gezogen
Angeblich hat der Kauf 250 bis 300 Millionen Dollar gekostet. Über Liquidität muss sich Vorwerk allerdings keine Gedanken machen: Mit einer Eigenkapitalquote von 50 Prozent - oder in absoluten Zahlen: 604 Millionen Euro - wird fast jedes bedeutende deutsche Unternehmen in den Schatten gestellt. Der Kauf von Jafra stärkte die internationale Position von Vorwerk, die ohnehin schon die Hälfte des Umsatzes im Ausland macht.
Also putzen zehntausende Vorwerk-Vertreter eifrig Klinken allüberall auf der Welt. Allein in Deutschland knapp 30.000 - auch Dank der Ich-AG-Gesetzgebung. Das Haustürgeschäft hat Vorwerk seit der Krise in den 30er Jahren zunehmend verfeinert - und mehr und mehr Geräte ins Programm genommen. Der Erfolg lässt sich sehen: In 11,8 Millionen deutschen Haushalten stehen Vorwerk-Geräte - alle an der Tür verkauft. 63 Prozent der ersten Vorwerk-Kunden kaufen wieder, meldet der Konzern. Kein Wunder, dass die Geräte nicht im Geiz-ist-geil-Konsumklima der Verbrauchermärkte angeboten werden, gegen die billige Konkurrenz aus Fernost hätten sie wohl keine Chance.
Die "Vorwerker" zeigen sich trotz der unvermeidlichen Globalisierung auch als wahrhafte Patrioten. Zwei Drittel aller Elektroprodukte kommen nach wie vor aus Wuppertal. Diese doch eigentlich erwähnenswerte Vorbildfunktion wird zwar nicht unter den Teppich gekehrt, allerdings auch - trotz der öffentlichen Diskussion um Arbeitsplatzverlagerung - nicht positiv erwähnt. Haben die PR-Strategen da eine Chance bisher ungenutzt gelassen?
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