Von Klaus Werle
"People do not dislike change, but being changed"
Der Trendforscher bewundert eine solche Einstellung. Mehr noch: Er glaubt, dass sie in Zukunft geradezu überlebensnotwendig ist. Die "andauernde Unvorhersehbarkeit", die Nordström beschreibt, spielt zwar dem Menschen als Verbraucher mehr Macht gegenüber den Unternehmen in die Hände. Aber genau wie die Konzerne muss sich auch der Mensch als Arbeitnehmer in der neuen Welt neu erfinden - wenn es sein muss, immer wieder. Auch für ihn ist die alte Sicherheit perdu, auch er muss sich seinen Platz, sein "temporäres Monopol" erkämpfen.
Henry Ford klagte einmal: "Ich will nur ein paar Hände, aber immer bekomme ich auch einen Menschen dazu." Für Nordström dagegen lautet die Frage heute: "Wer benötigt schon ein paar Hände?" Nordström redet dann viel von Talent, dass das "Kapital zum Tanzen" bringe, von Kreativität, von Begabung. Es ist ein bisschen schwammig, sicher ist nur: Die alte Definition von Arbeit ist nicht mehr gültig. Das gilt nicht nur für den einfachen Arbeiter, sondern auch und gerade für den Manager, dessen Job immer mehr dem eines Fußballtrainers gleiche, so Nordström: Motivieren, ein Team kreieren, führen. Das Paradoxe daran: Während für die meisten Menschen Wissen immer wichtiger wird, nimmt dessen Bedeutung für den Managerberuf ab: "Mitarbeiter, die gut über ihren Bereich Bescheid wissen, brauchen eigentlich keinen Boss. Der neue Manager muss lernen, Häuptling und Indianer gleichzeitig zu sein."
Dazu braucht er "tacit knowledge", so Nordström - unterschwellige Erfahrungen, die man nicht an der normalen Uni lernt. Deshalb hat Nordström an der Stockholmer School of Economics das ehrgeizige "Advanced Management Program" mitbegründet, das die Elite der schwedischen Executives anzieht und erste Grundzüge dieses "tacit knowledge" vermitteln soll.
Wichtiger Bestandteil dieses immanenten Wissens ist die Einstellung zum Unternehmen selbst. So wie sich der Konsument mit bestimmten Marken identifiziert, so soll sich der Mitarbeiter mit seiner Firma identifizieren - das notwendige Wissen wird sie ihm dann schon beibringen. "Stellen Sie sich mal vor, die Hell's Angels würden ihre Leute nach Qualifikation und nicht nach ihrer Einstellung auswählen", sagt Nordström.
Es ist wahrhaftig keine einfache Welt, die der schwedische Ökonom beschreibt. Man hört ihm gerne zu, wenn er über die Konzerne spricht, die in Zukunft den Kunden umwerben und sich zwischen Fitness und Sexyness entscheiden müssen. Es verschafft eine gewisse Genugtuung, dass die multinationalen, mächtigen und gesichtslosen Unternehmen auch so ihre Schwierigkeiten haben. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Alles, was auf die Unternehmen zutrifft, gilt natürlich auch für den Einzelnen. Die neue Welt ist komplexer und unberechenbarer als alles, was wir bisher kannten. Sie fordert von den Menschen permanente Entscheidungen und Flexibilität als Dauerzustand. Sind wir damit nicht überfordert? Nordström lacht wieder sein verlegenes Lachen, und dann sagt er: "Wir haben doch keine Wahl. Die globale Marktwirtschaft unserer Zeit ist weder gut noch schlecht, richtig oder falsch. Sie ist einfach so."
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