"Unser Standort ist Deutschland"
Ein Jahr später fusionierte Birkel mit seinem größten deutschen Konkurrenten 3 Glocken - nachdem sich die beiden Marken jahrzehntelang auf dem Markt bekämpft hatten. 2001 folgte die Übernahme der Ost-Marke Möwe.
Mit einer Bekanntheit von mehr als 90 Prozent ist der Nudelhersteller mit seinen Marken Birkel, 3 Glocken, Möwe, Schüle Gold, Nudel up und Minuto auf dem deutschen Markt gut etabliert - und verfügt über einen umsatzmäßigen Marktanteil von rund 20 Prozent. 110.000 Tonnen Nudeln und Soßen produzieren die rund 430 Mitarbeiter jedes Jahr - bei rund 150 Millionen Euro Umsatz. "Jede zweite Nudel, die in Deutschland produziert wird, stammt aus unseren Haus" betont Marketingchefin Andrea Eberle. Die beiden größten Umsatzbringer sind "Birkel's No.1" und die Hartweizennudel 3 Glocken "Genuss Pur".
Doch der Druck durch Discounter und die italienische Konkurrenz für das Markenunternehmen ist immens. Zwar ist der Pasta-Absatz in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren um fast 100 Prozent auf mehr als sechs Kilogramm pro Kopf gestiegen. Doch die Konkurrenz aus dem Ausland ist enorm. "Mittlerweile machen ausländische Teigwaren 50 Prozent des deutschen Marktes aus", sagt der geschäftsführende Gesellschafter von Birkel, Werner Hildenbrand.
Die Macht der Marke
Während die Konkurrenz aus dem Mittelmeerraum von weitaus weniger reglementierten Arbeitsbedingungen und teilweise auch von staatlicher Förderung profitiere, werde es für Produzenten in Deutschland zunehmend schwerer, sagt Hildenbrand. Hier komme der Marke eine große Bedeutung zu: "Wirtschaftlich gesehen ist die Marke ein absolutes Muss für einen deutschen Nudelhersteller", betont der Geschäftsführer. "Ohne echte Qualitäts-Marke könnte hier keiner überleben."
Überlegungen, die Produktion ins billigere Ausland zu verlagern, hat der deutsche Marktführer aber nicht, betont Hildenbrand. "Unser Standort ist hier in Deutschland." Neben den Transportkosten ist für den Markenhersteller in Deutschland auch besonders die Flexibilität bei der Belieferung des Handels ausschlaggebend.
Um die Gratwanderung zwischen dem Traditionsimage und dem Versuch, immer mehr auch junge Verbraucher anzusprechen, zu schaffen, setzt Birkel auf Innovationen und im nächsten Jahr besonders auf den Wellness-Trend: Neben der Algennudel "Spirulina" will das Unternehmen im kommenden Jahr weitere Wellnessprodukte auf den Markt bringen.
Und auch ins Ausland streckt der deutsche Markenartikler mittlerweile vorsichtig seien Fühler aus: Sowohl in Moskau als auch in St. Petersburg können Nudelfans ihre Birkel-Teigwaren mittlerweile bekommen.
Mirjam Hecking, AP
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