Von Karsten Langer
Herr Bosshard, gibt es Manager, die auf Grund ihrer Persönlichkeitsstruktur besonders von Kündigung bedroht sind?
Bosshard: In Bezug auf Führungs- und Organisationseigenschaften sind gewisse Persönlichkeiten, stärker bedroht als andere.
mm.de: Welche sind das?
Bosshard: Besitzstandswahrer, also Menschen, die in Zeiten, wo Veränderungen gemanagt werden müssen, ein zu großes Beharrungsvermögen an den Tag legen.
mm.de: Wie definieren Sie Besitzstandswahrer?
Bosshard: Viele Führungskräfte in Deutschland meiden Veränderungen organisatorischer Art, denn neue Projekte und neue Prozesse erfordern mehr Aufwand. Zahlreiche Manager können und wollen nichts verändern. Diejenigen, die nicht können, müssen sich nachqualifizieren.
Für diejenigen, die nicht wollen, ist die Situation ein größeres Dilemma. Diese Menschen haben Motivationsdefizite. Sie sehen nicht, dass etwas verändert werden muss und erkennen auch nicht das damit einhergehende größere Risiko der Bedrohung ihres eigenen Arbeitsplatzes. Arbeitgeber beobachten ein solches Verhalten eine Weile - dann handeln sie sehr schnell.
mm.de: Welche Charaktereigenschaften haben Manager, denen das oben beschriebenen Schicksal typischerweise widerfährt?
Bosshard: Tendenziell sind das saturierte Persönlichkeiten. Diese Menschen haben ihre Karriere und ihre bisherige Berufstätigkeit positiv gestaltet und sind hierarchisch gewachsen. Sie waren erfolgreich und sind es in der Regel noch immer. Solche Führungspersönlichkeiten glauben, dass ihr Erfolg Ergebnis der individuellen Leistung ist. Es sind Typen, die Erfolge immer auf sich selbst münzen und Misserfolge delegieren. Sie vergessen dabei, dass ihr Erfolg auch dem Zufall unterliegt. Das ist der Archetyp des Veränderungsunwilligen, des Besitzstandswahrers.
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