Grauzone Ich-AG
Ganz anders sieht es bei seriöser Heimarbeit aus. Firmen, die solche vergeben, müssen dies beim zuständigen Gewerbeaufsichtsamt oder Amt für Arbeitsschutz anmelden und mitteilen, wen sie beschäftigen. Für Heimarbeiter gelten umfangreiche Sozialleistungen und Mindestlöhne, ebenso Kündigungs- und Mutterschutz.
Wenig lukrativ: Wer einfache Büroarbeiten wie Adressschreiben in Heimarbeit mit dem PC erledigt, erhält 6,78 Euro netto
Wer etwa einfache Büroarbeiten wie Adressschreiben in Heimarbeit mit dem PC erledigt, erhält 6,78 Euro netto. Hinzu kommen Zusatzleistungen wie Urlaubsgeld, Feiertags- und Heimarbeiterzuschlag. Für die unterschiedlichen Heimarbeits-Branchen gibt es derzeit 47 bindende Festsetzungen. "Wir kontrollieren, ob die Geld- und Sozialleistungen eingehalten werden", erläutert Dirk Maciejewski vom Amt für Arbeitsschutz in Aachen. Wird die Entlohnung unterschritten, muss der Arbeitgeber nachzahlen.
"Die Auftraggeber wünschen keine Kontrolle"
"Häufig werden Schreib- und Büroarbeiten, Montagearbeiten, Änderungsschneidereien oder Sortierarbeiten in Heimarbeit ausgeführt", erklärt Erich Silberborth vom Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt in Lüneburg. Für den Absatz ihrer Produkte seien Heimarbeiter nicht zuständig.
"Derzeit erleben wir eine Verwässerung des sozialen Arbeitsschutzes", sagt Siberborth. "Die Auftraggeber wünschen keine Kontrolle. Und sie wollen die hohen Lohnnebenkosten nicht tragen." Deshalb riefen sie Heimarbeiter dazu auf, ein Gewerbe anzumelden oder eine Ich-AG zu gründen. "Es entsteht eine Grauzone."
Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin ist ein kontinuierlicher Rückgang der Heimarbeit zu verzeichnen. Die Zahl der Heimarbeiter und ihnen Gleichgestellter betrug im Jahr 2001 rund 66.000, 2002 lag sie bei knapp 60.000.
Obwohl Aufträge knapp sind, werde Heimarbeit stark nachgefragt, sagt Littner. Für Frauen, die aufgrund von Kindererziehung zu Hause sind, sei Heimarbeit häufig die einzige Möglichkeit zur Erwerbstätigkeit. "Wer Heimarbeit sucht, sollte sich an die Arbeitsvermittlung wenden, selbst eine Annonce schalten oder gezielt bei Firmen nachfragen", rät er.
Sabine Schrader, dpa
© manager magazin online 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH