Von Sergey Frank
Die eher etwas weite Vertragsauffassung findet jedoch in Russland dort ein Ende, wo es sich um offizielle Dokumente handelt. Offizielle Dokumente, die man für genehmigungspflichtige Geschäfte benötigt oder auch Vorlagen von Steuerbehörden, haben in Russland einen hohen Stellenwert. An die gesetzlichen Vorgaben hält man sich am besten peinlichst genau.
In diesem Zusammenhang kommt auch dem kaufmännischen Leiter eine äußerst wichtige Bedeutung zu. Dies lernte auch der Projektmanager eines schweizerischen Konsumgüterherstellers, der dabei war, in Russland das Geschäft des Distributors aufzukaufen. Das gesamte Personal wurde übernommen und nur ein neuer Generaldirektor gesucht.
"Obwohl dem Generaldirektor eine überragende Bedeutung auf Grund des hierarchisch geprägten Systems zukommt, waren wir über kurz oder lang noch mehr auf den kaufmännischen Leiter als auf den Generaldirektor angewiesen", sagte der besagte Projektleiter. "Das Einhalten der Steuer- und Finanzgesetzgebung, die ordnungsgemäße Buchhaltung sowie ein nachvollziehbares Controlling sind in Russland unabdingbar."
Gemäß dem russischen Handelsgesetzbuch sind für Kapitalgesellschaften wie GmbH und Aktiengesellschaften (OOO, ZAO oder AO) die Funktionen des Geschäftsführers und des Buchhalters zwingend vorgesehen. Beide sind Organe der Gesellschaft. Der Buchhalter kann in der Regel zunächst durch einen ausgelagerten Spezialisten (zum Beispiel Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder ausgelagerte Buchhaltung) ersetzt werden.
Mittelfristig ist jedoch der eigene Buchhalter wesentlich, insbesondere um Konflikte und zeitraubende Diskussionen mit den russischen Steuerbehörden zu vermeiden oder auf das Wesentliche zu reduzieren. Er ist derjenige, der sicherstellt, dass Geschäfte in Vereinbarung mit den (oft schwer verständlichen) Steuergesetzen in Russland in Einklang getätigt werden.
© manager magazin online 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH