Von Klaus Werle
mm.de: Wie sollte man als Chef dann motivieren?
Schönborn: Der werteorientierte Arbeitgeber bringt die Vision des Unternehmens mit der persönlichen Zielfantasie der Mitarbeiter in Einklang. Aber nicht über funktionale Formen wie "Mitarbeiter des Monats", sondern über echte Einbindung, Selbstverwirklichung und persönliche Anerkennung.
mm.de: Was kann ein Topmanager tun, um die Wertekultur in seinem Unternehmen zu verbessern?
Schönborn: Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Harmonie. Es hat sich gezeigt, dass zu viel äußerliche Harmonie in Unternehmen schädlich ist für die Leute und für den Erfolg. Zu viel Harmonie vergräbt Fehler oder macht uns unfähig, aus Fehlern zu lernen. Wer das erkennt, kann daran arbeiten, dass in der Organisation eine Fehlerkultur gepflegt wird, in der man es schafft, aus gemachten Fehlern zu lernen.
mm.de: Fehler zulassen, auf Mitarbeiter eingehen, selbstständiges Arbeiten fördern - das sind alles Werte, die in einem der erfolgreichsten Länder unserer Zeit, China, eine geringe Rolle spielen. Sollten wir uns nicht besser an chinesischer Härte und Disziplin orientieren?
Schönborn: Ohne Zweifel sind das zwei unterschiedliche Wertewelten. In China liegen die Wurzeln zum Beispiel bei Konfuzius, hier liegen sie bei Aristoteles und bei Platon.
China ist nicht in einer Phase der Sättigung und des Wohlstands wie wir, sondern das Land ist in einer Aufbruchstimmung. Das ist etwas ganz anderes. Für bestimmte Kulturen und Entwicklungsphasen gibt es sicherlich unterschiedliche Wahrheiten.
Im Deutschland der Nachkriegszeit galten sicher auch andere Werte als heute. Wir können aber jetzt nicht abgucken, warum die Chinesen erfolgreich sind, weil wir einen völlig anderen Kulturkern haben. Wenn wir uns auf unsere Kulturwerte konzentrieren, finden wir in ihnen unsere Stärke.
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