Von Klaus Werle
Sie haben in Ihrer Studie die Bedeutung von Werten für Unternehmen untersucht. Ist das nicht ein Luxusthema in einer Zeit von Sparkursen und Stellenabbau?
Schönborn: Im Gegenteil, mit diesem Thema sind wir der Zeit sogar voraus. Ich stelle fest, dass das Interesse an Werten auf allen Seiten sehr groß ist. Natürlich meinen einige, das sei ein Schönwetter-Thema, nach dem Motto: "Wenn die Konjunktur brummt, dann kümmern wir uns auch ein bisschen um die Werte. Aber jetzt haben wir etwas anderes zu tun."
Seit mehr als 25 Jahren gehen die Umsätze und Gewinne mit Produkten, die jünger sind als fünf Jahre, zurück. Das heißt, die Innovationsfähigkeit unserer Wirtschaft nimmt kontinuierlich ab, während sie in Ländern wie den USA oder China steigt. Aber das ist doch kein unabänderliches Schicksal. Wir müssen uns vielmehr fragen: Warum sind wir nicht innovationsfähig?
mm.de: Weil unsere Unternehmen auf die falschen Werte setzen?
Schönborn: Das hat sehr viel damit zu tun. Es gibt bestimmte Werte, die Freiraum schaffen, Ideen- und auch Fehlerkulturen, die Begeisterung und Freude an der Arbeit wecken. Die Wertekulturen, die wir herauskristallisiert haben, zeigen eindeutig, dass Erfolgskulturen die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens unterstützen.
Werte-Profile spiegeln die gelebte Einstellung in einem Unternehmen, den Spirit wider. Wie kann ich Menschen motivieren, für ein gemeinsames Ziel zu arbeiten? Das gelingt nur mit einer intakten Wertekultur, mit erfolgstreibenden Spielregeln.
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