Von Peter Ilg
Constantin Gonzalez ist zufrieden mit seinem Arbeitgeber, dem Deutschland-Ableger eines amerikanischen IT-Unternehmens in München. "Bei uns läuft alles völlig unkompliziert ab, die Entscheidungswege sind kurz, die Hierarchien flach, und jeder ist mit jedem per du", erzählt der 33-jährige Informatiker.
In der Firma gehe es fast so familiär zu wie zu Hause. Vor fünf Jahren hat sich Gonzalez bewusst für ein amerikanisches Unternehmen entschieden: "Der Führungsstil ist sehr zielorientiert", nennt er als wesentlichen Grund.
In Absprache mit den Vorgesetzten werde bei seinem Arbeitgeber ein Ziel definiert, das in einer bestimmten Zeit erreicht werden soll, umschreibt Gonzalez die Unternehmenskultur. In vielen deutschen Firmen würden dagegen die Aufträge als Befehle erteilt, die von den Mitarbeiter nach und nach erledigt werden. Als Beispiel nennt Gonzalez einen großen deutschen Elektronikkonzern, für den er während des Studiums arbeitete. Die Zusammenarbeit dort sei ihm sehr bürokratisch vorgekommen, blickt der Informatiker zurück.
Management nach Herdentrieb
Doch die Unternehmenskultur verändere sich inzwischen auch in Großunternehmen rasant, meint Dieter Scheitor, Teamleiter IT-Industrie im IG-Metall-Vorstand in Frankfurt am Main. "Management neigt immer dazu, sich herdentriebartig zu verhalten", so Scheitor.
Derzeit ist der Trend, amerikanische Managementmodelle in deutschen Firmen einzuführen - nach Scheitors Meinung sind sie vor allem geprägt vom kurzfristigen Quartalsdenken. "Durch den Druck des Kapitalmarktes sind langfristige Planungen schwieriger geworden." Dadurch sei auch die Personalführung rauer geworden.
Absolventen müssen sich darauf einstellen, dass Einarbeitungs- und Schonzeiten wesentlich kürzer werden und verhältnismäßig rasch hohe Leistung gefordert wird, charakterisiert Scheitor den Wechsel in der Unternehmenskultur. Bei Management nach US-Vorbild nehme auch das individuelle Risiko zu, gekündigt zu werden. "Hire and fire kann auch bald bei uns zur Realität werden", unkt der Gewerkschafter. Noch schiebe dem aber der Kündigungsschutz einen Riegel vor.
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