Von Martin Scheele
Strenger Familienvertrag sorgt für Disziplin
Diese unerwartete Allianz hatte drei Vorteile. "Sie schuf Spielraum zur Expansion", erläutert Hornbach und zeigt auf die steile Umsatzkurve und die Standortpunkte auf der Europa-Karte. "Sie schaffte dazu einen Puffer für die Erbschaftsteuer, denn Otmar und Cousin Albert hatten sich zu diesem Zeitpunkt aus der Holding zurückgezogen." Und sie schuf Marktmacht, die bei Lieferanten noch niedrigere Preise fordern konnte.
"Die Allianz", lässt Albrecht keine Spekulation aufkommen, "ist aber nicht angedacht zu erweitern." Hornbach werde noch lange von der Familie bestimmt. Um das sicherzustellen, wurde auch die Familientreuhand gegründet, in der ein strenger Vertrag für Disziplin sorgt. Wenn einer der 35 Gesellschafter seine Anteile verkaufen will, dann braucht er 70 Prozent der Stimmen. Da ist es noch einfacher eine Achter-Schraube in einen Vierer-Dübel zu trimmen. Kein Wunder, dass noch "kein Familienmitglied ausgestiegen ist".
Die IPOs und die Kingfisher-Allianz haben dazu geführt, dass Hornbach mehr Interesse auf sich zieht. Steffen und vor allem Albrecht Hornbach müssen sich kritischen Fragen der Analysten stellen, müssen sich mit Kleinanlegern herumschlagen und die Pressearbeit verstärken. Doch von oben genannten Gruppen kommt fast nur positives Feedback. "Hornbach ist sehr gut aufgestellt", lobt Branchenexperte Heinz Kerp vom Branchenmagazin "Bau + Heimwerkermarkt". Und Herbert Hansen von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz meint: "Die sind zuverlässig, was die sagen, tritt auch ein", und verweist darauf, dass bisher die Dividende nicht gekürzt wurde und dass nie Verluste verzeichnet wurden.
"Einer ist immer der Dumme"
Einen Grund zum Mäkeln findet Branchenexperte Kerp trotzdem: den fehlenden Service der von der "Zeit" despektierlich "Bretterbuden" genannten Baumärkte. Das sei zwar keine Besonderheit von Hornbach per se, aber eben dennoch ärgerlich. In diese Kerbe schlug auch die Meldung der Stiftung Warentest ein, die Hornbach ein "mangelhaft" bei der Beratungsqualität attestierte. "Unsere repräsentativen Erhebungen bescheinigen uns Kompetenz", wehrt sich Hornbach. Dennoch "Jede Beschwerde - und ich erhalte alle - ist ein Nadelstich".
Der offenkundige Mangel beim Service kommt nicht von ungefähr. Praktisch alle großen Baumärkte, in denen die Gemütlichkeit einer Gefängniszelle herrscht, definieren sich über den Preis - was zu einem skurrilen öffentlichen Schlagabtausch führte. Weil die Metro-Tochter Praktiker ihr ganzes Sortiment einfach mal im Preis um 20 Prozent senkte, reagierte Hornbach mit einer Anzeige in der Boulevard-Presse. "Endlich ist einer so günstig wie wir", war dort zu lesen. Am Ende der öffentlichen Angriffe und Retourkutschen hatten die Juristen das Wort und erließen einstweilige Verfügungen. Vorerst ist Ruhe eingekehrt, trügerische Ruhe.
Öffentlichkeit also scheut das Unternehmen Hornbach nicht. Im Gegenteil, Hornbach, gleichsam unauffällig lebend, weiß, das Baumarktgebilde auffällig in der öffentlichen Meinung zu positionieren. Dazu dient die schwarz-humorige TV-Werbung, in der widerborstigen Ehefrauen, die den frisch laminierten Boden mit abgeschnittenen Fingernägeln garnieren, die Hand einklemmt wird oder Skatebord fahrende Kinder durch die Haustür fliegen. Ganz schön aggressiv, oder? "Nicht wir sind aggressiv, sondern die Haustür", lautet die Antwort des Holding-Chefs etwas ungelenk, die Arme verschränkend.
Um bei den über 11.100 Mitarbeitern nicht wie ein distanziertes Subjekt zu erscheinen, werden nicht nur sämtliche Marktleiter und deren Assistenten im Vorstandsbüro einer genauen Prüfung unterzogen, nein, die Familie erscheint der breiten Masse auch im hauseigenen Fernsehen. Albrecht und Steffen Hornbach bauen viermal im Jahr ihr Fernsehstudio in einem der Märkte auf und sprechen live zu ihren Angestellten. Dann werden zum Beispiel die neuesten Tricks der Diebe unter den Kunden offenbart - eine an sich ernste Sache, aber "doch jedes Mal urkomisch", findet Hornbach und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Es macht Spaß, dieses Arbeiten im Unternehmen. Er fühlt sich sichtlich wohl. Und in der Außendarstellung, als repräsentierender Holding-Chef? "Einer", sagt Albrecht abschließend, "ist ja immer der Dumme". Sagt es und verschwindet, eh man sich versieht, in die nächste Sitzung.
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