Von Karsten Langer und Christian Keun
Wertkonservative Edelleute
Öffentlich in Erscheinung tritt dann und wann auch einer der drei jüngeren Brüder des Fürsten Georg. Alois Graf von Waldburg-Zeil, Gründer des Münchener Weltforum-Verlags, gehörte seit 1980 als Abgeordneter der CDU für rund zwei Jahrzehnte dem Deutschen Bundestag an.
Hier erwarb sich der konservative Christdemokrat vor allem bei den Hardlinern unter seinen katholischen Glaubensbrüdern und -schwestern einiges Ansehen, indem er sich als rigoroser Abtreibungsgegner exponierte. 1998 wurde der Bildungsexperte - vehementer Gegner einer "Reizüberflutung durch neue Medien" - an die Spitze des angesehenen Stuttgarter Instituts für Auslandsbeziehungen berufen. Von dort aus vertieft er seither Deutschlands Kulturaustausch mit der Welt.
Doch auch Georg von Waldburg-Zeil ist nicht allein Großgrundbesitzer. Zwar hat er seine Papierfabrik inzwischen verkauft. Verleger der "Schwäbischen Zeitung" ist der heute 76 Jahre alte Edelmann aber noch immer. In dieser Eigenschaft sorgte er für etliche Negativ-Schlagzeilen.
Ein altgedienter Kirchenredakteur seines Blattes, das den Menschen der Region "christliche Kultur und Politik" nahe zu bringen trachtet, hatte die Verlagsleitung vorsichtig zu kritisieren gewagt. Just am Heiligen Abend wurde dem Journalisten und Vater von fünf Kindern die fristlose Kündigung beschert. Ein Sturm der Entrüstung folgte.
Rien ne va plus
Auch bei anderen Geschäften bewies die Familie kein glückliches Händchen. So plante Gerd Volk, Chef der Frankfurter "Casino Consulting", vor knapp vier Jahren für die uradelige Familie ein Casino in Frankfurt an der Oder. 42 Millionen Mark sollten investiert werden. "Das Fürstenhaus kann nachweisen, dass es mehrere Spielbanken erfolgreich betreibt", brach der damalige Frankfurter Wirtschaftsdezernent Peter Edelmann eine Lanze für die Seriosität des Grafen. Die Kommune selbst wollte als Konzessionsträger auftreten, um das Geschäft zu ermöglichen. Doch der Deal platze. Bis heute warten die Frankfurter Stadtväter auf ihr Casino und schauen neidisch auf die polnische Nachbarstadt Slubice, wo die Kugel schon seit Jahren rollt.
Auch mit einem anderen, weniger kommerziellen Projekt hatte die Familie des Grafen kein Glück. Progressiven Bestrebungen folgend, sollten Teile des fürstlichen Forstes als Friedwald freigegeben werden. Friedwälder sind Naturfriedhöfe, auf denen es keine Grabsteine gibt, sondern stattdessen Bäume gepflanzt werden.
Nun sind zwar Pfarrer und Bischöfe auf Schloss Zeil gern gesehene Gäste, aber das Ansinnen des Erbgrafen Erich von Waldburg-Zeil brachte den Bischof Gebhard Fürst furchtbar in Harnisch. Ein schlichter Baum anstelle des Kreuzes - das erinnere an "esoterische Naturvergötzung", zitierte die "Stuttgarter Zeitung" Ende vergangenen Jahres den Kirchenmann. Weltanschaulich fragwürdiger Kommerz lautete das Urteil über das an sich ehrenwerte Ansinnen das Erbgrafen. Der kirchlich Gerügte will sich mit dem Plazet des Bischofs indes nicht zufrieden geben: Er schickt sich an, mit einem Gutachten die Einwände zu entkräften. Dass er im Zweifel bis in die letzte Instanz gehen will, lässt eine Vorgabe des Erbgrafen erahnen: das Gutachten soll so gut sein, dass es "auch in Rom Bestand hat".
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