Frankfurt/Main - Der Job, den man Christina Englert nach dem Studium anbot, gefiel ihr nicht wirklich. Auf einen besseren mochte sie angesichts der Arbeitsmarktlage nicht hoffen. Die Kulturwissenschaftlerin machte sich deshalb selbstständig.
Heute vertreibt sie handgefertigte Pralinen- und Schokospezialitäten, die sie aus Belgien, Frankreich und anderen europäischen Ländern importiert. "Es ist was Tolles, für sich selbst zu arbeiten", schwärmt die 28-jährige Lüneburgerin.
Existenzgründungen nach dem Studium sind längst keine Seltenheit mehr. "Seit mehreren Jahren gibt es in allen Bundesländern Förderprogramme für Unternehmensgründungen aus Hochschulen", sagt Annette Busch, Regionalcoach im Projekt "Die gründerfreundliche Hochschule" in Osnabrück.
"Je besser die Idee, desto schneller kann man gründen"
Gründungen werden seit Ende der neunziger Jahre auch in Fachrichtungen beobachtet, in denen man in früheren Jahren noch nicht daran gedacht hat, bestätigt Professor Hans-Jürgen Weißbach. Dazu zählten etwa Pflege- und Sozialberufe, so der Dozent am Fachbereich Wirtschaft und Recht der Fachhochschule Frankfurt.
Dennoch entschlössen sich die meisten Absolventen erst sieben oder acht Jahre nach dem Examen zu diesem Schritt. "Es ist für die Mehrzahl der Studierenden besser, erst Berufserfahrungen zu sammeln", so der Experte. Um die fehlende Praxis auszugleichen, sei es möglich, bereits während des Studiums die Selbstständigkeit nebenberuflich aufzubauen, erklärt Busch. "Auf diese Weise können erste Erfahrungen ohne Existenzängste gewonnen und ein Kundenstamm geschaffen werden."
Wichtig sei, während des Studiums die Gründung als eine Option ins Auge zu fassen, um vielleicht später zu ihr zurückzukehren, erläutert Weißbach. Wer jahrelang an seiner Promotion gearbeitet hat und hoch spezialisiert ist, könne auf zusätzliche Berufserfahrungen verzichten: "Je höherwertiger die Idee, desto schneller kann man gründen."
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