Von Stefanie Schulte
Letzter Ausweg Kleinfamilie?
"Die finanzielle Abhängigkeit führt dazu, dass Akademiker immer später flügge werden", meint Helmut Winkler, Professor am Zentrum für Berufs- und Hochschulforschung an der Uni Kassel.
Denn oft verlangen Eltern im Gegenzug für die finanzielle Unterstützung, dass sich der Nachwuchs nach ihren Vorstellungen richtet. Um den Absprung zu finden, sollten Hochschulabsolventen flexibler und mobiler werden und schon während des Studiums viel Praxiswissen sammeln, meint Winkler.
Vor allem junge Frauen beherzigen diesen Rat zu wenig, kritisiert Karl-Heinz Minks, Projektleiter für Absolventenforschung beim Hochschul-Informations-System (HIS). "Sie müssen lernen, ihre Karriere zu planen, Forderungen zu stellen und sich im Wettbewerb durchzusetzen."
Dazu gehöre auch, sich vor Studienbeginn besser über die Perspektiven des Faches zu informieren. Nach seiner Beobachtung sind es vor allem Frauen, die nach dem Studienabschluss lange Durststrecken als Praktikantinnen oder Honorarkräfte durchmachen. "Zieht sich diese Phase zu lange hin, wird der Kinderwunsch auf einmal ganz konkret."
Auch Nina Jung hat mit diesem Gedanken gespielt. "Eigentlich wollte ich schon immer Kinder haben", erzählt die 28-Jährige. Dennoch hat sie den Plan wieder verworfen. "Wenn ich jetzt einige Jahre lang nicht arbeite, bin ich komplett aus dem Rennen." Und gerade jetzt zeichnet sich ein Lichtstreif ab. Eine Immobiliengesellschaft, zu der Nina Jung schon im Praktikum Kontakt hatte, hat sie für ein größeres Projekt engagiert. Wenn alles klappt, wird Nina Jung bei dem neuen Großauftrag mehrere tausend Euro verdienen und zum ersten Mal finanziell auf eigenen Füßen stehen.
* Name geändert
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