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07.07.2004
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Karriere

"So schön klagt keiner"

Von Jan Friedmann

3. Teil: Das Salz in der Suppe

Das Salz in der Suppe

Frage: Wie erklären Sie dem Personalchef, dass er die Kenner des Anderen in seinem Unternehmen braucht? Für viele Arbeitgeber ist ja schon der Psychologe in der Marketing- oder Personalabteilung ein Exot.

  Was soll bloß aus mir werden? Schwarzes Brett an der Universität Hamburg
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Was soll bloß aus mir werden?Schwarzes Brett an der Universität Hamburg

Meyer-Althoff: Ich sage nicht, dass er jetzt unbedingt nur Germanisten oder Politologen einstellen soll. Ich würde einem Personalchef sagen, dass er in seinen Teams immer auch Leute braucht, die anders denken, die das Salz in der Suppe sind. Die Personalverantwortlichen sollten allgemein offener für Bewerber werden, die nicht den schnurgeraden Weg in ein Unternehmen hineingehen.

Frage: Wird künftig in Stellenanzeigen stärker nach Geisteswissenschaftlern gefahndet werden?

Meyer-Althoff: Vielleicht mittelfristig, wenn der vorausgesagte Akademikermangel zum Tragen kommt. Für Geisteswissenschaftler ist das aber ohnehin nebensächlich: Sie sollten bitte, bitte nicht auf Stellenanzeigen warten, die sie suchen. Wer sucht schon gezielt Germanisten, außer für eine Professur? Geisteswissenschaftler müssen sich rühren und sich alles selbst erarbeiten. Sie sollten nicht darauf warten, dass sie irgendjemand abholt. Fast keine Einsteigerposition für Geisteswissenschaftler, sei es der Werkvertrag oder die Elternzeit-Vertretung, wird je offiziell ausgeschrieben. Das läuft über Praktika und Initiativbewerbungen.

Frage: Geht Deutschland besonders schlecht mit seinen Geisteswissenschaftlern um?

Meyer-Althoff: Na ja, die angloamerikanischen Länder haben eine andere, wesentlich offenere Haltung gegenüber Berufsanfängern. Dort können auch Altphilologen in eine Großbank einsteigen, was in Deutschland erheblich schwieriger wäre. Diese Offenheit finde ich gut. Die Geisteswissenschaftler gehen vor allem besonders schlecht mit sich selbst um und ergehen sich gerne im typisch deutschen Hang zum Jammern. Früher habe ich immer gesagt: Keiner kann so schön klagen wie Bauern und Professoren. Mittlerweile würde ich die Geisteswissenschaftler dazuzählen. Sie bekommen allerdings auch von Anfang eingeredet: "Kind, willst du nicht etwas Ordentliches studieren?"

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