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08.07.2004
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Chantal Grundig

Die "eiskalte Witwe"

Von Christian Keun und Karsten Langer

3. Teil: Chantal Grundig schweigt

Der Niedergang einer Nachkriegslegende

Die Gewerkschaft hatte der "Süddeutschen Zeitung" zufolge sogar den ehemaligen Krupp-Bevollmächtigten und Freund von Max Grundig, Berthold Beitz, für einen Vorstoß bei Chantal Grundig gewinnen können. "Aber auch Herr Beitz hatte keinen Erfolg und bat uns schließlich, ihn nicht mehr in der Angelegenheit zu bemühen", berichtete Lobodda damals.

  Sollte zwischen Chantal Grundig und dem Betriebsrat vermitteln:  Berthold Beitz, Vorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung
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DPA

Sollte zwischen Chantal Grundig und dem Betriebsrat vermitteln: Berthold Beitz, Vorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

Seit 1997 braucht kein Grundig-Werker mehr in Harnisch zu geraten ob solch feudaler Attitüde. Chantal Grundig hatte sich endgültig aus dem Unternehmen zurückgezogen - und ein letztes Mal abkassiert. Schätzungsweise 450 Millionen Mark legte Philips auf den Tisch des Hauses, um der Dame auch ihre restlichen Unternehmensanteile abzukaufen. Die Eigentumsverhältnisse waren endlich abschließend geordnet - solide Ausgangsbasis für eine umfassende, Erfolg versprechende Restrukturierung der Firma, wie man glaubte.

Doch weit gefehlt. Monat für Monat drangen aus dem Grundig-Konzern vorwiegend Hiobsbotschaften an die Öffentlichkeit. Der Turnaround wurde zwar immer mal wieder avisiert. Doch die Verluste stiegen, das Eigenkapital schrumpfte, die Suche nach einem finanzstarken Partner für das Not leidende Unternehmen gestaltete sich schwieriger als erhofft.

Chantal Grundig schweigt

Im Juli 2003 schließlich begann nach diversen gescheiterten Rettungsversuchen das Insolvenzverfahren. 500 der zuletzt rund 1300 Mitarbeiter sicherten den Fortbestand des Geschäftsbetriebs, 700 Beschäftigte wechselten in eine Auffanggesellschaft, 100 Lehrlinge wurden weiter ausgebildet. In seinen besten Zeiten hatten 40.000 Menschen für den Konzern aus Franken gearbeitet.

Ende Januar 2004 räumt der letzte Vorstandssprecher Werner Saalfrank seinen Posten. Sein Job ist erledigt, die Reste des ehemaligen deutschen Elektronikriesen sind abgewickelt.

Und was macht Chantal Grundig, die zumindest dem Namen nach mit dem maladen Unternehmen verbunden ist? Die Erbin tut, was dem Sinnspruch nach Gentlemen zu tun pflegen: sie schweigt. Schweigt, als die Pleite droht, schweigt, als es Grundig nicht mehr gibt. Selbst als Ende vergangenen Jahres Meldungen durch die Gazetten geisterten, Georgiens Ex-Präsident Eduard Schewardnadse hätte ihre Luxusvilla am Annaberg gekauft, sind der Grundig-Erbin keine Worte zu entlocken.

An ihrer statt äußerte sich Tochter Valerie Lauda: "Wir sind bestürzt und fühlen mit den 3500 Mitarbeitern, die nun um ihre Existenzen bangen müssen", sagte die Grundig-Tochter im April 2003 gegenüber der "Welt am Sonntag". Für den Niedergang des Unternehmens sei ihre Mutter nicht verantwortlich: "Verkauft ist verkauft, mein Vater hat gewusst, warum."

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