Von Christian Keun und Karsten Langer
Verweserin der Grundig-Interessen?
Für ihr Engagement zahlten die Philips-Manager einen hohen Preis. Im Gegenzug für das erste Aktienpaket überließen sie einer 1970 von Max Grundig ins Leben gerufenen gleichnamigen Stiftung rund 6 Prozent der Philips-Papiere. Ihr Wert: etwa 600 Millionen Mark.
Unternehmerlegende: Firmenpatriarch Max Grundig, kurz vor seinem Tod im Jahr 1989
Nutznießerin all dieser lukrativen Abreden ist die Max-Grundig-Stiftung. Deren Satzung versucht erst gar nicht, den Anschein von Gemeinnützigkeit zu erwecken. Klipp und klar ist festgelegt, dass Stiftungszweck "die Wahrung und Förderung gemeinsamer Interessen der Angehörigen der Familie Grundig" ist. Über die Einhaltung dieser Vorschrift wacht seit Max Grundigs Tod niemand anders als seine Witwe Chantal.
Eine Gewerkschaft beißt auf Granit
Als der Grundig-Konzern auch Mitte der 90er Jahre seine Talfahrt ungebremst fortsetzte, Maßnahmen zur Sanierung partout nicht greifen wollten, Arbeitsplätze in Nürnberg und Fürth dahin schmolzen wie Butter an der Sonne, rechnete es die Stiftungsvorsitzende nicht zum Familieninteresse, einen finanziellen Beitrag zu leisten.
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Wiederholte Bitten von Arbeitnehmervertretern, Frau Grundig möge vielleicht einmal auf ihre jährliche Apanage verzichten und so dem galoppierenden Stellenabbau entgegenwirken, ignorierte sie geflissentlich. Alle Vorstöße, "die eiskalte Witwe", so der Nürnberger IG- Metall-Bevollmächtigte Gerd Lobodda, dazu zu bewegen, ihre Tantiemen "investiv bei Grundig einzusetzen", blieben erfolglos.
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