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08.07.2004
 

Chantal Grundig

Die "eiskalte Witwe"

Von Christian Keun und Karsten Langer

2. Teil: Verweserin der Grundig-Interessen?

Verweserin der Grundig-Interessen?

Für ihr Engagement zahlten die Philips-Manager einen hohen Preis. Im Gegenzug für das erste Aktienpaket überließen sie einer 1970 von Max Grundig ins Leben gerufenen gleichnamigen Stiftung rund 6 Prozent der Philips-Papiere. Ihr Wert: etwa 600 Millionen Mark.

  Unternehmerlegende:  Firmenpatriarch Max Grundig, kurz vor seinem Tod im Jahr 1989
DPA

Unternehmerlegende: Firmenpatriarch Max Grundig, kurz vor seinem Tod im Jahr 1989

Ferner verpflichteten sich die Niederländer, der Familienstiftung 20 Jahre lang eine Garantiedividende in Höhe von 45 Millionen Mark per anno zu überweisen, ganz gleich, ob bei Grundig Gewinne oder Verluste anfallen würden. Und schließlich vereinbarten sie, die restlichen Grundig-Anteile gegen Zahlung von 540 Millionen Mark übernehmen zu dürfen.

Nutznießerin all dieser lukrativen Abreden ist die Max-Grundig-Stiftung. Deren Satzung versucht erst gar nicht, den Anschein von Gemeinnützigkeit zu erwecken. Klipp und klar ist festgelegt, dass Stiftungszweck "die Wahrung und Förderung gemeinsamer Interessen der Angehörigen der Familie Grundig" ist. Über die Einhaltung dieser Vorschrift wacht seit Max Grundigs Tod niemand anders als seine Witwe Chantal.

Eine Gewerkschaft beißt auf Granit

Als der Grundig-Konzern auch Mitte der 90er Jahre seine Talfahrt ungebremst fortsetzte, Maßnahmen zur Sanierung partout nicht greifen wollten, Arbeitsplätze in Nürnberg und Fürth dahin schmolzen wie Butter an der Sonne, rechnete es die Stiftungsvorsitzende nicht zum Familieninteresse, einen finanziellen Beitrag zu leisten.

  1945  begann es mit dem  Röhrenmessgerät Novatest  bei Grundig.
Mit der Einführung der Ultrakurzwelle in Deutschland bringt Grundig  1950  den Radioempfänger  380 W  auf den Markt.
  1953  kommt mit dem 998 Mark teuren  Fernsehempfänger 610  erstmals ein erschwingliches Gerät auf den Markt.
  1955:  Der  Musikschrank 7080 W3 D , wegen seiner Füße "schräger Max" genannt, vereinigt Radio und Plattenspieler.
Der  Tonbandkoffer TK830  wird  1958  der "Hit des Jahres". Er kostete 965 Mark.
Für den Urlaub  1963 : Der  Weltempfänger Ocean Boy  mit drei Kurzwellenbereichen
  1964:  Mit Einlochbandmagazin und Folien-Tonträger hat das neue  elektronische Notizbuch EN 3  insgesamt 44 Minuten Aufnahmekapazität.
  1967  startet des Farbfernsehen in Deutschland. Passend dazu präsentiert Grundig unter anderem den  T 1000 Color .
  1968  kommt von Grundig der  HiFi-Stereo-Verstärker SV 140  mit eingebauten Equalizer auf den Markt. Er kostet damals 1245 Mark.
  1972:  Die  Kompaktanlage Studio 2000 Hi-Fi 4D-Stereo  erscheint in einer Slimline-Optik.
  1976  wird der Begriff Receiver (für Radio und Verstärker in einem Gerät) eingeführt. Bei Grundig trägt der  HiFi-Receiver 50  als erster diesen Namen.
Die  HiFi-Aktiv-Box 50 Professional  erscheint  1978 . Sie hat einen integrierten Verstärker und schafft 120 Watt Nennleistung.
Mit  Video 2000  kommt  1981  ein neuer Standard bei Heimvideorecordern heraus. Die Wendekassette löst schnell die SVC-Kassetten ab. Das System war nach verschiedenen Tests dem gleichzeitig erscheinendem VHS-System überlegen - das sich aufgrund der Marktmacht der Anbieter aber trotzdem durchsetzte.
  1983  noch Telefonbeantworter genannt: Der  Teleboy 1000  für den Privatmann.
  1995  als revolutionäres Sound-System gefeiert:  Space Fidelity  "erzeugt Raumklang unabhängig von Standort des Zuhörers", versprach Grundig.
Seit  1999  kann man bei Grundig MP3 auch mobil hören: Der  MPaxx -Walkman.

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Wiederholte Bitten von Arbeitnehmervertretern, Frau Grundig möge vielleicht einmal auf ihre jährliche Apanage verzichten und so dem galoppierenden Stellenabbau entgegenwirken, ignorierte sie geflissentlich. Alle Vorstöße, "die eiskalte Witwe", so der Nürnberger IG- Metall-Bevollmächtigte Gerd Lobodda, dazu zu bewegen, ihre Tantiemen "investiv bei Grundig einzusetzen", blieben erfolglos.

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