01.07.2004
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Karriere

Herkunft hilft

3. Teil: Ministerin gegen die Erb-Elite

Bulmahn contra Erb-Elite

Als Ministerin will sie endlich erreichen, dass auch außerhalb der politischen Parteien Erfolg nicht mehr von der Herkunft abhängt. Lehrer sollen in Zukunft dafür mehr Zeit haben, Kinder individuell zu beurteilen. Die Förderung von Talenten soll verstärkt werden. In Skandinavien haben die Schulen mit diesem Modell seit Jahren Erfolg. Die SPD-Politikerin will jedoch zugleich die offenen Unis weiter öffnen: mehr Bafög, keinesfalls Studiengebühren.

  Bonjour Tristesse:  Soziale Herkunft von Studenten
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Deutscher Instituts-Verlag

Bonjour Tristesse: Soziale Herkunft von Studenten

Dabei hat aus wissenschaftlicher Sicht die Idee längst ausgedient, dass einfacherer Zugang mehr Gleichheit schafft: "Die Öffnung der Universitäten hat für die alte Mittelschicht am meisten gebracht", sagt Soziologe Geißler. So stieg die Aussicht auf Hochschulbildung seit den 60ern für die Kinder von Ärzten und Anwälten um 30 Prozent, für Arbeiterkinder nur um 4 Prozent.

Überforderte Gymnasiasten und Studenten sind entsprechend eher die Kinder von Akademikereltern, für die etwa das "Kurpfalz-Internat" Anzeigen schaltet: "Auch nicht versetzte Schüler können bei uns in die nächste Klasse vorrücken. Mit uns wird Ihr Sohn oder Ihre Tochter das Abitur erwerben." Und womöglich studieren.

Sieger sehen anders aus

Mehr einheitlich organisierte Prüfungen würden hier Abhilfe schaffen, sagt der Kölner Soziologe Heiner Meulemann: "Wenn die Schüler und Studenten ihren Leistungsstand besser kennen, kommt das den sozial Schwächeren zugute." Denn der Nachwuchs von Führungskräften ist ohnehin selbstbewusst - Bafög-Empfängern dagegen können gute Noten den Rücken stärken.

Vorausgesetzt, es gibt Stipendien, können auch Studiengebühren gerecht sein, sagt Meulemann. Wenn Hochschulen um Studenten buhlen, betreuen sie besser. Eine Anwaltstochter weiß von zu Hause, wie das Jura-Studium läuft. Die Tochter eines Schweißers hingegen ist auf eine serviceorientierte Uni viel stärker angewiesen.

In Kanada, Finnland und England schaffen es die Lehrer weltweit am besten, die Kinder von gebildeten und weniger gebildeten Eltern auf einen Stand zu bringen. Diese Länder haben vieles gemeinsam: Eigenverantwortung der Schulen, gute Betreuung der Schüler, landesweit standardisierte Kontrollen.

Vor allem aber haben diese Länder ihre Bildungsreformen schon vor 20 Jahren angepackt. Die Deutschen waren vor fünf Jahren noch davon überzeugt, dass bei ihnen die soziale Schicht kaum noch eine Rolle spielt. Erst mit der Pisa-Studie kam der heilsame Schock.

Finn Mayer-Kuckuk

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