Kiel - Mit 500 Millilitern Leitungswasser fing es an. Und endete in einem beispiellosen PR-Desaster. Unter dem Namen "Dasani" wollte der Getränkeriese Coca-Cola sein Tafelwasser auch in Deutschland vermarkten.
Doch das Eingeständnis des US-Konzerns, es handele sich bei Dasani um schlichtes Leitungswasser, ließ das Geschäft in Großbritannien versiegen. Die Gewinnspanne wäre beträchtlich gewesen. 500 Milliliter sollten 1,40 Euro kosten. Ein schwacher Trost: Coca-Cola habe beste Chancen auf den Titel "Unternehmenskrise des Jahres", meint der Kieler Krisenforscher Frank Roselieb.
"Coca-Cola hat lange geschwiegen und versucht, ein Produkt auf dem Markt zu halten, dessen Name längst verbrannt war", urteilt der Leiter des Kieler "Krisennavigator - Institut für Krisenforschung". Roseliebs Team ermittelte seit 1984 gut 1000 Unternehmenskrisen in Deutschland.
"Viele Krisen kann man nicht verhindern"
Alle acht bis zehn Tage komme eine neue dazu - etwa Produktrückrufe oder Rücktrittsforderungen an Firmenchefs. "Viele Krisen kann man nicht verhindern, aber man kann sie besser managen", betont Roselieb. 14 Prozent der Krisen wüchsen sich schleichend aus.
Seit 2002 bietet das Kieler Institut - ein Team aus Psychologen und Soziologen, Technikern und Ingenieuren - Hilfestellung für kleine und große Unternehmen. "Wenn es brennt, ruft man 112 - wenn eine Firma in der Krise steckt, gibt es so etwas nicht", erläutert Roselieb die Idee.
Das Angebot reicht von kostenloser telefonischer Beratung bis zum Krisenplan fürs Firmen-Intranet gegen fünfstelliges Honorar. Versicherungen und Fluggesellschaften, Schokoladenhersteller und Behörden haben sich laut Roselieb bereits mögliche Risiken ausloten und Verhaltensregeln für den Ernstfall erarbeiten lassen.
© manager magazin Online 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH