Von Jan Friedmann
Nomen est Omen
Sehr weit verbreitet ist auch der Nominalstil. In einer Anzeige von DaimlerChrysler
für einen Projektmanager eines geschlossenen Immobilienfonds kommen beispielsweise innerhalb von 26 Wörtern sechs "-ung"-Konstruktionen vor, von der "Umsetzung" über die "Erarbeitung", die "Prospekterstellung", noch einmal die "Erarbeitung", zur "Prüfung" und "Bewertung".
Gerne genommen werden von den Autoren von Stellenanzeigen auch Füllwörter wie "im Rahmen von" und "im Bereich": Sie sollen einer eigentlich einfach zu beschreibenden Aufgabe eine gewisse Tiefe verleihen. Eine Stilblüte wie "Die Einarbeitung erfolgt im Rahmen Ihrer Tätigkeit im Bereich Vertrieb" ist keine Seltenheit. Wortungetüme wie "Leistungsbeurteilungsabschlussgespräch" und "Mitarbeitervergütungssystem" machen Anzeigen auch nicht gerade verständlich.
In schönstem Fachchinesisch suchte beispielsweise die Antisense Pharma GmbH in der "Süddeutschen Zeitung" einen Mitarbeiter in der klinischen Forschung - aufgrund "der nun anstehenden Erweiterung unserer Entwicklungspipeline".
Die gröbsten Schnitzer fänden sich bei Online-Stellenanzeigen, hat Manfred Böcker beobachtet. Anzeigen aus dem Firmen-Intranet stellen manche Unternehmen eins zu eins ins Internet - mit allen Insider-Kürzeln und im unternehmensinternen Slang.
Von solchen Unsitten sollten sich Bewerber allerdings nicht abschrecken lassen, sagt der Anzeigen-Experte. Es sei durchaus erlaubt, bei der angegebenen Kontaktperson nachzuhaken. Allerdings nur mit einer sinnvollen Nachfrage: "Wer elementares Fachvokabular nicht beherrscht, beweist dadurch tatsächlich seine Unkenntnis."
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