Von Jan Friedmann
Hamburg - Die Vorfreude der Zeitarbeitsfirma Randstad auf neue Mitarbeiter ist groß: "Good to know you - als Distriktmanager (m/w)", überschreibt das Unternehmen eine Stellenanzeige in einer überregionalen Tageszeitung.
Was der willkommene Kollege indes genau leisten soll, ist aus dem Wortlaut nicht erkennbar. Aufgabe des Distriktmanagers seien unter anderem die "ergebnisorientierte Führung mehrerer Niederlassungen, die jeweils als Profitcenter geführt werden", und die "Erreichung der qualitativen und quantitativen Ziele". Interessenten sollen für 12 Cent pro Minute die Karrierehotline des Unternehmens anrufen oder ihre "schriftliche Bewerbung: Randstad" schicken.
Nicht viel besser ergeht es potenziellen Adressaten der folgenden Anzeige der Baumann Unternehmensberatung. Sie müssen sich durch einen Schachtelsatz von Buddenbrook'schen Ausmaßen quälen: "Sind Sie im Außendienst groß geworden (bevorzugt Medizintechnik oder anspruchsvolle Konsumgüter), und haben Sie gelernt, daß es - vor allem anderen - das Wichtigste ist, Ihren Kunden zu helfen, Geld zu verdienen, und zwar mit Ihren Produkten und Ihren Dienstleistungen?"
Bewerber als Bittsteller
Alles klar? Nein? Keine Bange: Auch Menschen, die den Außendienst mit der Muttermilch aufgesogen haben, stünden wohl rätselnd vor solch einem Satzungetüm. Gerade hoch qualifizierte Akademiker brauchen bei der Stellensuche nicht nur einen langen Atem, sondern bisweilen detektivische Fähigkeiten.
Aus einem erheblichen Teil der Stellenanzeigen in Printmedien und im Internet wird nämlich nicht ersichtlich, wer oder was da eigentlich gesucht ist. Stilistische Empfindsamkeit sollten sich die Leser eines Stellenteils auch nicht leisten, sondern geflissentlich über Rechtschreibe- und Interpunktionsfehler sowie kühne Deutsch-Englisch-Kombinationen hinwegsehen.
"Stellenanzeigen sind manchmal so mangelhaft formuliert, dass sie nicht einmal die engere Zielgruppe richtig versteht", sagt der Kölner Kommunikationsberater Manfred Böcker, der Unternehmen Dienstleistungen rund um das Verfassen von Texten anbietet.
Was Bewerber am ausgeschriebenen Arbeitsplatz tatsächlich leisten sollen, wird häufig nur noch mit Worthülsen angedeutet, wie beispielsweise "Teamfähigkeit", "soziale Kompetenz" und "Kommunikationsfähigkeit". Die gewünschten Qualifikationen formulieren Unternehmen dagegen manchmal mit sehr brüsken Begriffen wie "unabdingbare Voraussetzung" und "obligatorische Fähigkeiten". "Bewerber sind diesem Selbstverständnis nach die Bittsteller, die sich um die Gnade eines Jobs bemühen müssen", schreibt Böcker in einem kürzlich erschienenen Aufsatz in der Zeitschrift "Personalführung".
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