Von Martin Scheele
"Mit einem Schmusekurs kommt man nicht weiter"
Ihre Reputation als umsorgende Firmenmutter zeigte sich konkret gleich nach der FAG-Übernahme. Den besorgten FAG-Arbeitnehmern gab sie damals die befristete Arbeitsplatzgarantie schriftlich: Bis 2004 sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Diesen August wird wieder für die kommenden Jahre verhandelt.
Schaeffler hat indes bewiesen, dass sie Konflikte durchsteht. Denn völlig spurlos ging die Übernahmeschlacht auch an der als sehr durchsetzungsfähig beschriebene Geschäftsfrau nicht vorbei. Die Familienerbin ließ in einem Gespräch mit der "Welt am Sonntag" ihren Gefühlen freien Lauf. "Mir standen die Haare zu Berge", gestand sie in Bezug auf die Vorwürfe, INA würde FAG ausschlachten. Praktisch im gleichen Atemzug kehrte sie ihre andere Seite heraus: "Mit einem Schmusekurs kommt man in dieser Welt nicht weiter."
Für ihre Durchsetzungsfähigkeit ist die gebürtige Wienerin, Jahrgang 1941, mittlerweile über die mittelfränkischen Grenzen hinaus bekannt geworden. Ihr Einstieg in den 1946 gegründeten Weltkonzern - sie heiratete in den frühen sechziger Jahren mit Georg Schaeffler einen der Firmengründer - verlief eher vorsichtig.
Wälzlager? - "Da muss ich passen"
Vorrang hatte die Erziehung ihres Sohnes Georg hört. Beruflich setzte sie mit einem Medizin-Studium zunächst andere Schwerpunkte. Als ihr Sohn flügge wurde, wuchs der Wunsch, sich doch im Unternehmen zu engagieren. Eine Art Ausbildung absolvierte sie schließlich bei ihrem Ehemann und lernte unter anderem, dass ohne die hergestellten Wälzlager kein Motor und kein Rad der Welt rollt.
Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1996 übernahm sie das Zepter. Filius Georg zog es vor, als Rechtsanwalt in einer der größten Sozietäten im Südwesten der USA zu arbeiten und sich aus dem Tagesgeschäft bei der INA Schaeffler-Gruppe herauszuhalten. Gelegentlich erscheint er zu Betriebsversammlungen. Die Entscheidung des Sohnes war für Mutter Schaeffler kein Problem. "Er soll das tun, wofür er eine große Begabung hat. Ich habe ihm diese Freiheit gewährt."
Und so lange die stimmen, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Maria-Elisabeth Schaeffler hinter den Kulissen eines weithin unbekannten Weltkonzerns erfolgreich die Strippen zieht.
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