Von Simon Hage
"Auweia, die sind auf den Hund gekommen"
Führungskräfte auszuleihen sei eher eine Sache für mittelständische Betriebe, denen bestimmte Ressourcen fehlen, so Schütte. Interim-Manager könnten Mittelständlern bei einmaligen Projekten unter die Arme greifen - beispielsweise bei einer Auslagerung ins Ausland. Sollte allerdings ein Großunternehmen wie die HypoVereinsbank auf solche Fremdhilfe zurückgreifen, sagt Schütte, dann würde er sich denken: "Auweia, die sind auf den Hund gekommen."
Doch Personal- und Organisationsforscher Marr nennt noch ein weiteres Argument für den Einsatz von Miet-Managern: die Glaubwürdigkeitskrise der Unternehmensberater. Die Wirtschaftsprozesse würden immer komplexer, die Unternehmensberater dagegen immer jünger, kritisiert Marr. Für Unternehmen wird es daher nach Ansicht des Hochschulprofessors interessant, "Alternativen zu Beratern zu suchen".
Die Kompetenzfülle, die Interim-Manager in zahlreichen Unternehmen genießen, macht den Unternehmensberater Ulrich Wiedemann geradezu neidisch. Sein Berufsstand leidet an akuten Imageproblemen - spätestens, seitdem sich die Öffentlichkeit über die Berater der Bundesagentur für Arbeit erboste. Wiedemann, Vertreter des Beratungskonzerns Accenture, ist ebenfalls für die Nürnberger Behörde tätig und beklagt sich über Schwierigkeiten bei der Umsetzung: Die Berater seien mit ihren Plänen "auf Widerstand gestoßen".
Das Problem: Die Consultants liefern nur unverbindliche Anregungen, für die Realisierung ist der Kunde selbst zuständig. "Da wäre es oftmals wünschenswert, dass Interim-Manager anwesend wären", sagt Wiedemann, "die mithelfen, Projekte voranzubringen." Denn die gemieteten Führungskräfte kommen von außen und können unabhängig von betriebsinternen Seilschaften die Sacharbeit forcieren, so Wiedemann, "ohne Rücksicht auf bestehende Strukturen und auf kleine Königreiche, die sich da gebildet haben."
Doch Unternehmensberater und Interim-Manager stehen vor einer gemeinsamen Schwierigkeit: Am Ende der zeitlich begrenzten Tätigkeit müssen sie ihre Kompetenzen und ihr Wissen abgeben und dem Auftraggeber damit zur Selbständigkeit verhelfen. Ex-HVB-Vorstand Schütte hält den Einsatz von Leih-Managern nur dann für sinnvoll, wenn ein Unternehmen in wichtigen Bereichen scheinbar unlösbare Probleme hat: Und dann sei entscheidend, dass Interim-Manager nach Ende des Engagements "sich selbst überflüssig machen".
Schütte gibt außerdem zu bedenken: Wie man Mitarbeiter am effektivsten motiviert und zu Kreativität anregt, das sei eine Frage der Unternehmenskultur. Doch diese könnte durch Einfluss von außen "innerhalb eines halben Jahres zerstört werden".
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