Als 1993 ein Brandanschlag auf ein Wohnhaus in Solingen verübt wurde und dabei fünf Türkinnen ums Leben kamen, entschied die Ford-Belegschaft spontan, eine Anzeige in einer überregionalen Zeitung zu schalten. "Wenn gläubige Moslems im Ramadan tagsüber nichts essen, wird darauf Rücksicht genommen", sagt Jablonski.
Das Diversity-Konzept umfasst allerdings längst viel mehr als nur den fairen Umgang mit Kollegen, die keinen deutschen Pass in der Tasche haben. "Worauf es ankommt ist, Unterschiede als Bereicherung zu verstehen. Man bekommt dadurch eine ganz andere Perspektive", sagt der Diplom-Volkswirt.
"Es geht um eine Haltung, darum, jedem Menschen mit Offenheit und Respekt gegenüberzutreten, ob er lange Haare hat, eine andere Hautfarbe oder doppelt so alt ist wie man selbst", erläutert Elisabeth Girg, Diversity-Managerin der Deutschen Bank in Frankfurt. "Es bringt schon etwas, zuerst zu gucken, was an Unterschieden positiv sein kann." Genau diese Erfahrung hat auch Ford gemacht: "Man darf das nicht als Defizit sehen", sagt Jablonski.
Kollegen mit Handycap besser integrieren
Der Autohersteller hat beispielsweise ein Projekt gestartet, bei dem Kollegen mit einem Handycap besser integriert werden. "Wir haben eine türkische Kollegin, die wegen körperlicher Einschränkungen ihre ursprüngliche Tätigkeit in der Fertigung nicht mehr ausüben konnte und deswegen Probleme hatte", erzählt der Diversity-Experte. "Jetzt fährt sie in der Endkontrolle Fahrzeuge vom Band und kann so ihre Fähigkeiten wieder voll einsetzen." Gewinner seien zuerst die Mitarbeiter, sagt Jablonski, "aber auch der Werkleiter, der hat einen Leistungsträger mehr."
Wenn Vielfalt kein Problem ist, muss sich niemand verstecken: "Schwule und Lesben brauchen sich dann am Montagmorgen keine Geschichten ausdenken, was sie am Wochenende gemacht haben", sagt Barbara David. Wer sich nicht verbiegen muss, kann sich leichter mit seinem Arbeitgeber identifizieren. "Bei Veranstaltungen der Bank bringen Schwule und Lesben ihre Partner genauso mit wie Heterosexuelle", sagt Elisabeth Girg. Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften werden gleich behandelt wie Ehepaare.
"Diversity ist allerdings eine langfristige Sache", betont Hans Jablonski. "Das kann man auch nicht für ein Jahr machen und dann wieder aussetzen." Auf lange Sicht zahlen sich solche Bemühungen nach Überzeugung der Experten aber aus. Wer keine Einheits-Belegschaft hat, habe nicht zuletzt bessere Chancen bei der Personalrekrutierung, sagt Barbara David: "Manche bewerben sich gezielt da, wo sie sich wegen der größeren Vielfalt im Betrieb besser aufgehoben fühlen."
Andreas Heimann, dpa
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