Von Martin Scheele
Hamburg - Erfolgreiche Familienfirmen haben oft sonderbare Attitüden: Ihre meist schwerreichen Eigentümer scheuen die Öffentlichkeit, die Familienstämme sind nicht selten heftigst verfeindet.
Davon kann man beim Medizintechnikhersteller B. Braun aus dem nordhessischem Melsungen nicht gerade sprechen. Der Clan ist bisher nicht von der Dallas-Denver-Krankheit infiziert. Dafür trieben Produktskandale den Blutdruck hoch und Patriarch Ludwig Georg Braun, der eigenwillige Vorstandsvorsitzende, ist immer für eine Schlagzeile gut.
Der Chef aus der fünften Familiengeneration, Jahrgang 1943, bringt seine Umgebung immer wieder zum Staunen, wenn er sich ins öffentliche Leben einmischt. Dabei wirkt der überzeugte Nordhesse auf den ersten Blick äußerst konservativ, zurückhaltend. Dunkle, unauffällige Anzüge, schlanke Erscheinung, fast kahler Kopf - ein Mann, der keine Blicke auf sich zieht.
Die größte Wirkung in der Öffentlichkeit erzielen seine Reden als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Braun führt den größten Unternehmerverband Deutschlands seit Anfang 2001. Hohe Wellen schlug damals sein provozierendes Plädoyer für "Nullrunden" bei Lohnabschlüssen. "Verheerend" und "katastrophal" lauteten nur einige der Verbalinjurien, die daraufhin aus dem Lager der Wirtschaft drangen, wollten die übrigen Verbandsbosse doch die Gewerkschaften umgarnen.
© manager magazin Online 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH