Von Karsten Langer
Trotz des utopischen Finales ergeben sich die Figuren bei Hochhuth vor allem in Hilflosigkeit und Resignation ihrem Schicksal. Da räsonieren die Ausgestoßenen der Gesellschaft im trauten Kreis, beweinen ihre Unzulänglichkeit und hecken halbherzig Revolutionspläne aus. Vergeblich mühen sich die Schauspieler, dem drögen Text Leben einzuhauchen. Dem eklektizistischen Sammelsurium aus Zahlen und Zitaten kommt allzu oft die Stringenz abhanden.
Allein dem mit Leidenschaft gespielten Revolutionsführer Wetzel (Ingolf Mueller-Beck) gelingt es pünktlich zum Finale, dem statischen Agitprop-Geplänkel etwas Leben abzuringen. Ansonsten blieb Hochhuth weit hinter der Brutalität Brechts oder dem Unbehagen Heiner Müllers zurück. Es genügt eben nicht, alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen und alte Phrasen mit neuen Feindbildern auszustaffieren.
Unverständlich bleibt, warum die Deutsche Bank angeblich versucht haben soll, gegen das biedere Lehrstück gerichtlich vorzugehen. Grund dafür soll der kulturell verbrämte Aufruf zum Mord an Josef Ackermann gewesen sein. Die unterdessen berühmten Zeilen "Tritt A. (Ackermann) nun zurück wie Geßler durch - Tell? / Schleyer, Ponto, Herrhausen warnen" werden auf der Bühne von einem beseelten Herren grimmig deklamiert.
Die als Flirt mit der RAF getarnte Provokation bezieht ihre Wirkung aber nicht aus ihrem Inhalt, sondern spielt kokett mit dem Stilmittel des Tabubruchs. So verpufft die rhetorische Phrase im sinnfreien Raum.
"Wo bleibt der Mensch?"
Tragisch bleibt, dass Hochhuth die Chance verspielt hat, sich eine gesellschaftsrelevanten Thema über die eindimensional-ideologische Perspektive hinaus zu nähern. "McKinsey kommt" ist ein blutarmes Lehrstück, dem schon vor Ende der ersten Halbzeit die Kräfte schwinden.
Hochhuth rennt offene Türen ein, wenn er den Sprachlosen eine Stimme gibt und so Balsam auf ihre Wunden gießt. Aber die wichtige Frage "Wo bleibt der Mensch?" kann - oder will - er nicht beantworten.
Statt nach Alternativen zu suchen, schwelgt der Dramatiker in sozialromantischen Revolutionstheorien. Ihm genügt die Binsenweisheit, dass das Einfache wahrhaftig und deswegen gut ist und das Komplizierte böse, weil der Teufel im Detail steckt. Vor allem aber tut Hochhuth, was die alten, saturierten Männer des deutschen Kulturbetriebs zu tun pflegen: Er wiederholt sich. Das ist eitel und schadet der Sache mehr als es ihr nützt.
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