Von Karsten Langer
Hamburg - Früher schlugen sich die Kapitalisten mit dem Stigma des bösen Ausbeuters herum. Für die Gegenwart hat nun der Dramatiker Rolf Hochhuth den wahren Feind der demokratischen Gesellschaft entlarvt.
Mit Hilfe der Chefideologen von McKinsey kürzt und kündigt und rationalisiert der Superkapitalismus, gedeckt von Staat und Gesetz, damit der Gewinn ins Unermessliche steige. Auf der Strecke bleiben die Heerscharen der Entlassenen. Eine Abrechung mit dem System sollte das neue Hochhuth-Stück "McKinsey kommt" werden, eine Anklage gegen die Leistungsgesellschaft, deren Hauptmerkmale Herzlosigkeit, Kälte und Rücksichtslosigkeit sind.
Einen strategisch günstigen Zeitpunkt hat sich Hochhuth für die Premiere ausgesucht: Klaus Esser muss sich vor Gericht verantworten, Josef Ackermann wird Betrug vorgeworfen, und Jürgen Schrempp muss Schadenersatzzahlungen in Milliardenhöhe fürchten. So hat die Wirtschaftselite in der Öffentlichkeit schnell den Ruf korrupter Desperados.
Trittbrettfahrer der Anarchie
Auch der Ort der Premiere war klug gewählt: Früher gab es in Brandenburg an der Havel ein Stahlwerk. Nach Mauerfall und Schließung wurden 20.000 Menschen entlassen, die aktuelle Arbeitslosenquote liegt bei 20 Prozent. Dem Volk, das nach Gerechtigkeit schreit, kommt ein moralischer Heilsbringer wie Hochhuth gerade recht. Entsprechend hoch schlugen die Wellen schon im Vorwege.
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Aber was mit einem medialen Paukenschlag begann, setzte sich auf der Bühne als Sturm im Wasserglas fort und endete in einem lauen Lüftchen, das weder frösteln machte noch den feurigen Atem der Anarchie erahnen ließ.
Die Geschichte ist kurz die: Ein reicher Mann opfert viele arme Menschen dem Profit. Die armen Menschen sind ohnmächtig in ihrer Wut ("Wir nehmen den Wodka, nicht die Kalaschnikow"). Der Reiche Mann frohlockt. ("Entlassen!") Die armen Menschen begehren auf und stürzen das System ("Wir fordern Recht auf Arbeit. Brecht die Macht der Banken und Konzerne").
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