Von Martin Scheele
In die Öffentlichkeit wagen sich Philipps Kontrahenten allerdings noch nicht. Noch gärt es nur unter der Oberfläche. Hinter vorgehaltener Hand schimpfte ein Kammervertreter: "Ich kann mich nicht erinnern, dass der ZDH jemals eine derart ziellose Führung hatte". Abgesehen von der Forderung nach Ablösung der Führungsspitze soll auch die komplette Neuordnung des Spitzenverbands zur Sprache kommen.
Beim Verbandsfürsten Philipp steht die Bereitschaft zur Veränderung im eigenen Verband den vielen und lauten Forderungen nach Veränderungen in der Politik diametral entgegen. Denn kaum jemand verlangt so leidenschaftlich nach Reformen wie Philipp. Mal forderte der ZDH-Präsident in seinem rheinischen Singsang die "Entschlackung des dichten Regelungswerks für den Arbeitsmarkt", mal mahnte er "umfassende Reformen der sozialen Sicherungssysteme" an.
Auch für kuriose Forderungen ist er sich nicht zu schade. So machte Philipp mit schlitzohriger Hintersinnigkeit den ungewöhnlichen Vorschlag, die gesetzlichen Feiertage (außer Weihnachten) nach amerikanischem Vorbild auf einen Montag zu legen. Dafür erntet er von mehreren Seiten einen Sturm der Entrüstung. Wer Wachstum und Beschäftigung ankurbeln wolle, der müsse über alles reden, was dazu beitrage, drängte der oberste Handwerker der Republik trotzig. "Denn", so Philipp, "Stillstand ist Rückschritt."
Zugute halten muss man Philipp, dass seine Amtszeit in die wohl wirtschaftlich schwierigste Epoche im Nachkriegs-Deutschland fiel. Die Zahl der Konkurse von Handwerksbetrieben und die Kündigungen in den Betrieben übertrafen seither jedes Jahr die Rekordzahlen des vorangegangenen Jahres. Als Katalysator macht sich dabei die finanzielle Not vieler Städte und Gemeinden bemerkbar. Nach einer Umfrage in der Branche meldeten 2003 rund 40.000 Unternehmen Insolvenz an, darunter allein knapp 5000 Handwerksbetriebe.
Philipps mögliche Ablösung würde den Funktionär mit Herz zwar treffen - doch nicht ruinieren. Schließlich fährt er seine Karriere zweigleisig. Auch während der Amtszeit als ZDH-Präsident ist er wenigstens einen Tag in der Woche im Aachener Familienbetrieb anzutreffen, in dem sein Bruder und sein Sohn mitarbeiten und in dem 33 Angestellte als Maler beschäftigt sind.
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