Von Martin Scheele
Hamburg - An der Spitze des Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH) gilt personelle Kontinuität seit jeher als ein Dogma. Gerade einmal fünf Personen führten den Verband durch mehr als ein halbes Jahrhundert. Einen Rekord stellte dabei Josef Wild auf. Ihm gelang es, 18 Jahre an der Macht im Verband zu bleiben. Mittlerweile ist die Länge der Amtsperiode begrenzt worden, der heutige ZDH-Präses Dieter Philipp (60) muss das Amt spätestens Ende 2005 abgeben. Vielleicht widerfährt ihm das auch schon viel früher.
Denn Dieter Philipp arbeitet derzeit auf mehreren Baustellen, auf denen es zum Teil lichterloh brennt. Vor allem die Pleite des hauseigenen Internetportals handwerk.de könnte ihm zum Stolperstein werden. Wie sich jetzt herausstellt, drohen durch die Insolvenz dem Verband massive Schwierigkeiten. Mittwoch dieser Woche kommen die Leiter der Handwerkskammern und Fachverbände in Berlin zusammen, um in einer außerordentlichen Vollversammlung einen millionenschweren Rettungsplan zu billigen.
Die Mitglieder sind genötigt, bis zum 30. Juni dieses Jahres 1,5 Millionen Euro aufzubringen, "um eine Überschuldung des ZDH zu vermeiden", vermeldete das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL am Wochenende. Zusätzlich seien 6,32 Millionen Euro "für die Enthaftung des ZDH" nötig. Dabei geht es unter anderem um die Ablösung von Bürgschaften für Leasingverträge bei der Landesbank Berlin.
In Handwerksverbandkreisen kursieren unterdessen schon Ablöseforderungen Philipps und seines Geschäftsführers Hanns-Eberhard Schleyer. Rückendeckung dagegen erhält Philipp von seinem Vizepräsidenten, Joachim Dirschka. Dieser sieht bei den Mitgliedsfirmen indirekt eine Mitschuld am Scheitern des Internetportals, das einige Inhalte auch bezahlpflichtig anbot. "Das Portal hätte durchaus Erfolg versprechend arbeiten können, wenn sich das Handwerk entsprechend beteiligt hätte", sagte Dirschka. Diese hätten stärker auf den Seiten werben und die kostenpflichtigen Angebote nutzen können. Schließlich schwächt Dirschka aber seine Kritik an den eigenen Mitgliedern ab, als er sagt, dass die Hauptursache für die Pleite des Portals die schlechte gesamtwirtschaftliche Lage sei.
Rettungsplan nimmt Betriebe in die Pflicht
Fraglich ist, ob Dirschkas Rettungsplan die Mitglieder überzeugt. Dirschka, der auch Präsident der Leipziger Handwerkskammer ist, möchte den fehlenden Betrag auf die 800.000 Handwerksbetriebe umlegen. Seiner Rechnung zufolge kämen auf die Kammern etwa zwei Euro je Betrieb zu. Für die Leipziger Handwerkskammer betrage die Summe rund 20.000 Euro, die ohne Erhöhung der Mitgliedsbeiträge aufgebracht werden solle. Personelle Folgen an der ZDH-Spitze hält Dirschka nicht für zwingend. "Es kann sein, dass man über personelle Konsequenzen redet, ich würde sie nicht unbedingt als notwendig erachten", sagte er.
Abgesehen von der finanziellen Malaise des Verbandes wächst schon seit einiger Zeit Druck von politischer Seite. Vor allem wegen der harten Haltung zum Meisterzwang geriet die ZDH-Führung dabei in die Kritik. Ohne Meister keine Handwerksqualität, argumentiert Philipp. Und ohne Meister keine gute Ausbildung, fährt er fort. Um den Meisterbrief zu erhalten, mobilisierte Philipp viele seiner CDU-Freunde, auch die FDP holte Philipp mit ins Boot, die schnell ihrer Klientel wegen alle liberalen Grundsätze ignorierte. Für den zweifelhaften Erfolg - die Mehrheit im Bundesrat sprach sich gegen die Pläne der Regierung aus - wurde Philipp als Verhinderer und Blockierer gescholten.
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