Horst Brandstätter
Der Playmobil-Mann
Von Martin Scheele
2. Teil:
Der alte Mann und die junge Nachfolgerin
Der Spielzeug-Bonvivant
Wer ist der Mensch, der mit den Figuren so viel Erfolg hat? Groß gewachsen, sportlich, zumeist sonnengebräunt, entspricht er mit seinen Sandaletten, schlichtem Polohemd und Aktenkoffer aus Pappe kaum dem Bild des millionenschweren Unternehmers. Er fährt zwar teure Autos, die aber so lang, bis sie auseinanderfallen. Einen gewissen Wohlstand deutet nur das Modell einer Jacht in seinem Büro an.
DPA
Verkauft sich weiterhin gut: Piratenschiff von Playmobil
Keine Frage: Der Franke aus Zirndorf weiß die angenehmen Seiten des Lebens zu schätzen. Seit 14 Jahren verbringt der Zigarrenraucher die Hälfte des Jahres im sonnensicheren Florida. Seine Begründung für den langen Aufenthalt: "Damit sie (die Belegschaft) laufen lernen und damit sie fit für eine Zukunft ohne mich werden." Kontakt hält der passionierte Teetrinker aber auf jeden Fall. Seitenlange Anweisungen quellen aus den Faxgeräten in der Zirndorfer Zentrale.
Aber auch daheim in Franken ist er den schönen Seiten des Lebens zugetan. Den halben Tag übt Brandstätter seine Fertigkeiten im Golfen. So leicht ihm der Abschlag gelingt, so schwierig gestaltete sich lange Zeit die Nachfolgeregelung im Unternehmen. Vor zwei Jahren schließlich, mit 69 Jahren, nahm sich Brandstätter ein Herz und stellte seine designierte Nachfolgerin vor.
Kein Nachfolger in der Familie
Mangels familiärer Alternativen - seine Söhne ziehen es vor, anderweitig beruflich Erfolg zu suchen - fiel die Wahl auf eine langjährige Kennerin des Unternehmens. Andrea Schauer könnte mit ihren 45 Jahren gut und gerne als eine Tochter des Spielzeug-Bonvivants durchgehen. Sie verantwortet die im Prinzip wichtigsten Abeilungen: Entwicklung, Marketing und Vertrieb.
DDP
Beliebter Kinderheld: Playmobil-Wikinger
Damit aber kein modischer Schnickschnack wie ein Börsengang Einzug in das Unternehmen hält, hat Brandstätter clever vorgesorgt: Die Überführung der Firma in eine Stiftung ist angedacht. Das ist aber nicht die einzige Zukunftsvorsorge, die Brandstätter getroffen hat.
Falls irgendwann doch einmal die Nachfrage nach den Playmobil-Figuren einbricht, meint Brandstätter noch ein Ass im Ärmel zu haben. Die Gartenfreunde in aller Welt im Blick, lässt er Pflanzkübel herstellen. Eine Innovationsgranate? Zumindest bleibt fragwürdig, ob das Produkt aus einer möglichen Misere heraushelfen kann.
Für einen Geistesblitz des Kreativchefs Beck ist es dann zu spät - der Mann, der beim Bewerbungsgespräch eine fliegende Untertasse bauen sollte, scheiterte und trotzdem eingestellt wurde, genießt seinen Lebensabend und kann nicht mehr aus einer möglichen Patsche helfen.
Deutschland, deine Unternehmer: Alle Porträts
Weitere Artikel zu Diesem Thema