Von Martin Scheele
Hamburg - Eigentlich wollte Horst Brandstätter gar kein Playmobil-Spielzeug herstellen. Wenn es nach dem Chef der Geobra Brandstätter GmbH & Co. KG gegangen wäre, dem größten deutschen Spielzeughersteller, wäre eher Geld in die Herstellung von Spielzeugautos geflossen. Doch sein Chefentwickler Hans Beck ging eigene Wege und fertigte Figuren: einen Ritter, einen Indianer und einen Bauarbeiter - die erste Miniserie erfuhr Marktreife und gab das Startsignal für eine bis heute andauernde Erfolgsgeschichte.
Die zündende Idee kam dem Chefkreativen Beck praktisch in einer Notlage. 1973, mitten in Zeiten der Ölkrise, war der Grundstoff der Plastikherstellung so immens teuer, dass die wenig Rohmaterial verbrauchenden Playmobil-Männer eine Chance bekamen. Bis dato hatte das Unternehmen - 1876 von Urgroßvater Georg Brandstätter gegründet - eine Vielzahl an Produkten hergestellt. Zu dem Sammelsurium gehörten unter anderem Schatullenbeschläge, Wasserskier, Tennisschläger oder Hula-Hoop-Reifen.
1974 schließlich wurden die von Hans Beck entworfenen Figuren auf einer Geobra-Hausmesse vorgestellt. Seitdem bricht der Spielzeughersteller einen Rekord nach dem anderen. Selbst in der heutigen konjunkturellen Trostlosigkeit hat das Unternehmen drei Jahre in Folge zweistellige Zuwachsraten erzielt. 2400 Beschäftigte erwirtschafteten zuletzt einen Umsatz in Höhe von 330 Millionen Euro. Über Gewinne schweigt sich das Unternehmen aus. Gerichtsstreitigkeiten mit fränkischen Nachbarn, die Imitate herstellten, sind längst Geschichte.
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