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05.02.2004
 

Götz Werner

Der Waldorf-Discounter

Von Matthias Kaufmann

2. Teil: Goethe und Geschäftssinn

Goethe und Geschäftssinn

Begriffe wie der des "Kreativpostens" spielen eine große Rolle, auch wenn nicht in jedem Fall hehre Ideale dahinter stehen. Zum Beispiel heißen Handelsmarken bei DM "Qualitätsmarken" - das ist schlichte Marketing-Hausmannskost.

Wie die anthroposophischen Vorbilder hat auch Werner eine Schwäche für Sprache und Denken des deutschen Idealismus. Dass diese Schwäche einem ausgeprägten Geschäftssinn nicht im Wege steht, zeigt die Abwandlung eines Zitats aus Goethes Faust, mit dem DM seine Einkaufstüten bedruckt: "Hier bin ich Mensch, hier kauf' ich ein."

Ganz so edel, hülfreich und gut ging es nicht immer zu bei DM. Als der gelernte Drogist Werner seine erste Filiale 1973 in der Karlsruher Innenstadt eröffnete, bestand die Geschäftsidee hauptsächlich darin, die Preise zu senken. Im selben Jahr war die Preisbindung für Drogerieprodukte vom Gesetzgeber aufgehoben worden. Zudem passte er das Erscheinungsbild des Ladens gewöhnlichen Supermärkten an, setzte auf Selbstbedienung und ein übersichtliches Ladenlayout. Das war damals modern und ist heute Standard.

Über den Durchbruch der menschenfreundlichen Unternehmensphilosophie kursiert eine Anekdote: Der Chef war in den frühen 90er Jahren auf Kontrollvisite in einer Filiale in Ettlingen, wie immer mit Vorankündigung, denn "ein Fachmann erkennt auch so, ob ein Geschäft gut geführt wird". Während des Gesprächs stütze er sich auf eine Verkaufstheke, die nach hinten wegrutschte und die Schätze in der Vitrine darunter, hochpreisige Parfüms, freilegte. Zweimal seien dort schon Waren gestohlen worden, beklagte die Filialleiterin, aber der Bezirksleiter, den sie sofort informiert habe, hätte die Theke noch nicht reparieren lassen.

Schlagartig wurde ihm klar, welche fatalen Folgen die strengen Hierarchien in seinem Unternehmen hatten. Er leitete einen umfassenden Umbauprozess ein - heute würden die Ettlinger selbst mit Werkzeug anrücken oder auf eigene Verantwortung einen Handwerker bestellen.

Denn seither vertraut keine Kette den Verkäufern vor Ort so viel Verantwortung an wie dm. Sie bestimmen das lokale Sortiment und handeln untereinander nicht nur Dienstpläne, sondern auch die Gehälter aus. Von denen gibt die Karlsruher Zentrale nur den Steigerungssatz vor. Vorgesetzte werden zum Teil von der Belegschaft gewählt, Verbesserungen ohne Rückfrage bei der Zentrale zügig umgesetzt.

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