Oxford - Wissenschaftler des Nuffield College in Oxford hatten britische Personalchefs interviewt und 5000 Stellenanzeigen analysiert. Ihre Studie erschüttert nun das Bild von einer "Wissensgesellschaft", in der in erster Linie eine gute Ausbildung zählt, berichtet das Wirtschaftsmagazin "Economist".
Der noch unveröffentlichten Untersuchung zufolge legen Arbeitgeber weniger Wert auf akademische Qualifikationen. Viel wichtiger sind ihnen dafür Offenheit, gutes Benehmen und Kontaktfreudigkeit - Eigenschaften, die man durch sein soziales Umfeld mitbekommt und allenfalls beiläufig an einer Hochschule lernt.
Der Ansatz, durch eine breite Bildungsoffensive auch Menschen aus unteren Schichten die Chance auf einen sozialen Aufstieg zu geben, wäre danach aussichtslos: Arbeiterkind bleibt Arbeiterkind.
Der Klassenkampf ist nicht vorbei
Die Studie hat besondere Brisanz im noch immer stark von Klassen geprägten Großbritannien. Dort hatten sich die Regierungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten zum Ziel gesetzt, jeden zweiten jungen Erwachsenen an die Universität zu bringen, um damit die soziale Mobilität zu erhöhen.
"Chancengleichheit für alle" hieß es in den siebziger Jahren auch in Deutschland, als die Bildungsexpansion begann. Nach der Studentenrevolte träumten die Sozialdemokraten vom sozialen Aufstieg durch Bildung; durch Bafög und die Öffnung der Hochschulen sollten mehr Arbeiterkinder die Chance erhalten, zu studieren und Führungskräfte zu werden - ganz ähnlich wie in Großbritannien.
Gelungen ist das offenbar in beiden Ländern kaum. Das britische Hochschulsystem ist differenzierter als in Deutschland. Die Absolventen sind im Durchschnitt deutlich jünger und verlassen die Hochschulen häufiger mit dem Bachelor; formale Abschlüsse haben traditionell weniger Bedeutung als für die öffentlichen und privaten deutschen Arbeitgeber.
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