Von Jochen Leffers
Irrtum eins: Elite-Uni vom Reißbrett
In einigen Wochen, befürchten die Kritiker, werde die fixe Idee von deutschen Elite-Universitäten wieder vergessen sein - weil die Realität sich ihr nicht beugt. Vor allem drei Trugschlüsse sprechen dafür:
Die SPD-Spitze gibt sich überzeugt, man könne eine Spitzenhochschule per Dekret erlassen: Uni am Grünen Tisch auswählen, einige Millionen Euro hineinpumpen, fertig ist die Elite-Uni. Tatsächlich konnte sich keines der internationalen Vorbilder über Nacht etablieren - weder Harvard, Stanford, Cornell oder Yale in den USA noch Oxford und Cambridge in Großbritannien oder die drei "Grandes Écoles" in Frankreich.
Die weltweit erfolgreichsten Hochschulen haben eine lange Tradition und über viele Jahrzehnte an ihrem Ruf in Forschung und Lehre gearbeitet. Sie suchen sich die besten Studenten aus aller Welt selbst aus, kassieren vielfach atemberaubende Studiengebühren und konkurrieren um die klügsten Wissenschaftler. Mit beharrlichem Marketing überzeugen sie Mäzene sowie Absolventen, die Hochschulen großzügig zu unterstützen.
Für all dies fehlen in Deutschland jede Tradition und gesetzliche Grundlage. Bisher ist es den deutschen Hochschulen nicht einmal gelungen, die massive Abwanderung ihrer besten Absolventen ins Ausland zu stoppen - sie können ihnen schlicht keine attraktiven Arbeitsbedingungen und Zukunftsperspektiven bieten. Und gute Nachwuchsforscher allein machen ohnedies noch keine Elite-Uni aus. Die größten Probleme der deutschen Hochschulen liegen in der Lehre, nicht in der Forschung: Die Professoren sind wegen des gewaltigen Andrangs teils nicht in der Lage, zum kleineren Teil auch nicht willens, ihre Studenten angemessen zu betreuen.
Irrtum zwei: Hey, big spender
Über den Aufwand für die Etablierung von Nobel-Unis in Deutschland kursieren bereits die unterschiedlichsten Zahlen. So hält die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) rund 100 Millionen jährlich für notwendig, um einen Teil der deutschen Hochschulen auf ein international konkurrenzfähiges Niveau zu hieven. Die DFG denkt, durchaus auch in eigenem Interesse, an Graduiertenschulen für sechs bis zehn Unis, damit dort jeweils etwa 200 junge Wissenschaftler intensiv forschen können.
Andere Experten beziffern die Kosten weit höher. "Entscheidend ist, wie viel Geld man in die Hand nimmt", erklärte Detlef Müller-Böling vom Zentrum für Hochschulentwicklung: "Wenn man über die Einrichtung von Elite-Unis nach dem Vorbild von Harvard und Stanford spricht, dann müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass Stanford ein Jahresbudget von zwei Milliarden US-Dollar hat" - bei nur 10.000 Studenten. Zum Vergleich: An der Berliner Humboldt-Universität sind es etwa 33.000 (bei einem Jahresbudget von lediglich 210 Millionen Euro); die Mammut-Unis in München, Köln oder Münster zählen noch deutlich mehr Studenten.
Harvard, die wohl reichste Uni der Welt, verfügt über ein Stiftungsvermögen von satten 20 Milliarden Dollar, im kleineren Princeton sind es immerhin neun Milliarden Dollar. Aus den beträchtlichen Kapitalerträgen finanzieren die Top-Universitäten einen erheblichen Teil ihrer laufenden Kosten. Hinzu kommen weitere Einnahmequellen, die für deutsche Hochschulen auf absehbare Zeit kaum sprudeln werden - Zuwendungen der Absolventen und mitunter gigantische Einzelspenden aus der Wirtschaft etwa.
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