Donnerstag, 9. Februar 2012, 21:07 Uhr

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04.01.2004
 

Hochschullandschaft

Harvard ist bald überall

Wieder macht das Wort von einem "deutschen Harvard" die Runde. Doch diesmal preist nicht eine Privathochschule ihre Dienste damit an. Es ist die SPD, die den Samen für solch eine intellektuelle Oase säen will - an einer staatlichen Uni. Der Dünger soll freilich mehr Geld sein.

Berlin - Die SPD will die Gründung deutscher Elite-Universitäten nach amerikanischem Vorbild vorantreiben. Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" soll sich künftig mindestens eine Universität in Deutschland als internationale Spitzenhochschule neben renommierten Universitäten wie Harvard und Stanford etablieren.

  Vorbild für deutsche Elite-Uni:  Campus der Harvard University
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AP

Vorbild für deutsche Elite-Uni: Campus der Harvard University

Zugleich forderten Bundespräsident Johannes Rau sowie Vertreter von Regierung und Opposition am Wochenende maßgebliche Schritte, um die Leistungsfähigkeit der deutschen Hochschulen entscheidend zu verbessern.

SPD-Fraktionschef Franz Müntefering forderte die Einrichtung von "Hochleistungsuniversitäten". Es dürfe nicht sein, "dass wir den erstklassigen Hochschulen in England oder in den Vereinigten Staaten scheinbar oder anscheinend nichts Adäquates entgegenzusetzen haben". Zugleich wolle die SPD verstärkt auf zukunftsorientierte Fächer setzen. "Bei den Universitäten werden wir mehr Wert auf die Naturwissenschaften und die Ingenieursfächer legen. Wenn wir keine Innovation mehr haben, verliert Deutschland seine Kraft", sagte Müntefering.

Eine Uni soll sich mit den Top-Adressen messen

Der SPD-Vorstand will den Angaben zufolge auf einer Klausurtagung am Montag und Dienstag in Weimar neue Leitlinien zur Innovations- und Bildungspolitik beraten. Danach soll die Struktur der Hochschullandschaft gemeinsam mit den Bundesländern so verändert werden, dass sich mindestens eine Universität in Deutschland neben den Top-Adressen in den USA behaupten kann. Nach Auffassung der SPD-Führung müssten mehr Anreize geschaffen werden, damit Spitzenforscher an den deutschen Universitäten bleiben oder ins Land kommen.

  Bislang kein Aushängeschild des Elitegedankens:  Die ESMT (European School of Management and Technology) in Berlin
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DPA

Bislang kein Aushängeschild des Elitegedankens: Die ESMT (European School of Management and Technology) in Berlin

Die Technologie- und Forschungspolitik des Bundes solle zudem auf Schwerpunkte konzentriert werden. Genannt würden unter anderem die Entwicklung eines Internets der zweiten Generation sowie von energiesparenden und umweltverträglichen Fahrzeugen, Antrieben und Verkehrsleitsystemen.

Insgesamt solle der Anteil der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung von heute 2,5 Prozent bis zum Jahr 2010 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesteigert werden.

Bundespräsident Rau betonte, Deutschland brauche "auf Dauer mehr Spitzenleistung". Deutschland sei "zwar Exportweltmeister. Aber das sind wir vor allem durch den Automobil- und Maschinenbau und noch zu wenig bei Produkten, die wissenschaftliche Höchstleistungen voraussetzen". Deutschland habe über zwei Millionen Studenten. Gemessen an der Bevölkerung sei das aber "weit unter dem Durchschnitt der Wirtschaftsnationen".

FDP-Vize Walter Döring beklagte indes die Abwanderung deutscher Akademiker ins Ausland und forderte Anreize für ihre Rückkehr. Deutschland verliere seine klügsten Köpfe. "Wir brauchen ein milliardenschweres Rückholprogramm für unsere abgewanderten Eliten", verlangte Döring.

Peter Leveringhaus, DDP

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