Von Karsten Langer
Wie weiland Fritz Walter
Die Struktur der Beratertruppe stimmt nicht mehr - zu wenige erfahrene Vertriebsleute, zu viele Anfänger. Das Missverhältnis ist eine Folge von Bernhard Termühlens Expansionsdrang. Unter ihm hatte sich die Zahl der Berater innerhalb von drei Jahren auf 3000 verdoppelt. Vor allem in Großstädten machen sich die MLPler zunehmend selbst Konkurrenz.
Nun ist der Konzern bemüht, Personal abzubauen. Nach aktuellen Angaben für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres ist die Zahl der Berater von 2971 im Vorjahr auf 2805 gefallen. Bei den Geschäftsstellen verzeichnete MLP einen Rückgang von 390 auf 362. Der Umsatz pro Berater hat mit 30.303 Euro um 10 Prozent höher gelegen als ein Jahr zuvor. Der Vorsteuergewinn stieg um rund 84 Prozent auf 14,1 Millionen Euro. Die Prognose für 2003: ein Gewinn vor Steuern von 65 Millionen Euro.
Hehre Ziele, die Manfred Lautenschläger, der letzte Mohikaner in den Reihen von MLP, der Börse verspricht. Innerhalb von fünf Jahren will er das Neugeschäft verdoppeln und verstärkt auf wohlhabendere Kunden setzen.
Ein letztes Mal muss Lautenschläger, der sich stets auf Termühlen verlassen hatte, alle Kräfte mobilisieren. Dass er auch nach der als sicher geltenden Ernennung von Schroeder-Wildberg der Patriarch im Unternehmen sein wird, weist Lautenschläger jedoch ebenso zurück wie die Gefahr einer erneuten Unternehmenskrise. "So amateurhaft würden uns die Schwierigkeiten nicht mehr treffen", sagte er jüngst gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.
Sein Amt als Vorsitzender des Kontrollgremiums will Lautenschläger, der am 15. Dezember seinen 65. Geburtstag feiert, noch fünf Jahre ausüben. Im Interview mit der dpa pries Lautenschläger die Taktik eines großen deutschen Fußballer: "Ich vergleiche das ein wenig mit Fritz Walter. Der war mit 38 noch ein Weltklasse-Fußballer; rannte aber nur noch, wenn es darauf ankam. Ich bin zwar nicht mehr 38 Jahre alt. Aber immerhin Jahrgang 38."
© manager magazin online 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH