25.11.2003
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Finanzamt

Wenn der Steuerfahnder klingelt

2. Teil: "Wenn es nicht anders geht, holen wir die Polizei"

"Wenn es nicht anders geht, holen wir die Polizei"

Die Karriere in der Steuerfahndung beginnt mit einer umfassenden Ausbildung zum Finanzbeamten oder zur Finanzbeamtin im gehobenen Dienst. "Am Praxisanfang steht der mehrjährige Einsatz in einer Veranlagungsstelle", sagt Thelen. Dann kann der Wechsel in die Abteilung für Betriebsprüfungen erfolgen. Das heißt Außendienst - "für mindestens zwei Jahre", wie Ondracek ergänzt.

  Sheriff ohne Stern:  Diese Dienstmarke verheißt nichts Gutes
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DPA

Sheriff ohne Stern: Diese Dienstmarke verheißt nichts Gutes

Nächster Schritt wäre die Versetzung in die Bußgeld- und Strafsachenstelle. "Die Arbeit in diesem Bereich vermittelt Fachkenntnisse, die für eine spätere Tätigkeit als Fahnder unerlässlich sind", erklärt Thelen.

Der Leiter der Hamburger Steuerfahndung macht keinen Hehl daraus, dass die Arbeit in seinem Bereich mit höheren Belastungen verbunden ist als beispielsweise in einer Lohnsteuerstelle. "Es gibt Nachteinsätze, Überstunden sind keine Seltenheit. Und wir stoßen auf Feindseligkeit, wenn wir auftauchen. Die Leute empfinden uns als Aggressor und reagieren auch entsprechend."

Die Teams müssen dann beruhigend wirken und jegliche Eskalation verhindern. "Wenn es nicht anders geht, dann holen wir die Polizei", berichtet Thelen. Wenn massiver Widerstand abzusehen ist, lässt sich die Steuerfahndung auch vom Mobilen Einsatzkommando begleiten.

"Wir können bis zu zehn Jahre zurück ermitteln"

Steuerfahnder treten niemals allein auf. Zur Sicherheit ist stets mindestens ein Kollege oder eine Kollegin gleichsam als Zeuge dabei. "Die gesamte Verantwortung für ein Verfahren trägt aber immer einer allein", betont Thelen. Entsprechend gut ausgebildet müssen die Zuständigen sein. Mathematische Begabung, analytisches Denken, Disziplin, Beharrlichkeit und natürlich Integrität sowie eine stabile Persönlichkeit werden verlangt. Ein Drittel der Truppe Thelens sind Frauen.

Steuerfahndung besteht darin, Berge von Dokumenten aufmerksam zu sichten, Daten exakt zu vergleichen und Widersprüche bei finanziellen Transaktionen aufzudecken. "Wir sind Historiker", sagt Thelen und weist darauf hin, dass sich das Aktenstudium auf eigentlich abgeschlossene Geschäftstätigkeiten bezieht. "Wir können bis zu zehn Jahre zurück ermitteln."

Breiten Raum nimmt die elektronische Datenverarbeitung ein. Hierin müssen die Steuerfahnder auf dem neuesten Stand sein. Sie können bei ihrer Arbeit auf modernste Programme und Techniken zurückgreifen. Eine bereits gelöschte Datei ist für sie kein Problem. "Die Steuerfahndung ist besser und weiß mehr, als man glaubt", beschreibt der Steuer-Fachanwalt Robin L. Fritz in Frankfurt/Main die Qualität der Fahndungsmethoden.

Horst Heinz Grimm, dpa

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