Hamburg/Berlin - Wenn der frühe unangemeldete Besuch in einer Firma sich als Steuerfahndung vorstellt und den richterlichen Durchsuchungsbeschluss vorlegt, wird es ungemütlich.
Höflich, aber bestimmt beginnen die Mitglieder des Teams mit der Durchsuchung der Geschäftsunterlagen. Sie sichten persönliche Papiere, blättern in den elektronischen Dateien und stellen Fragen um Fragen. Das für sie Interessante - einschließlich der Festplatten - nehmen sie mit in ihre Dienststelle im Finanzamt.
"Wir treten nur in Erscheinung, wenn Anhaltspunkte für den Verdacht einer Steuerstraftat oder Steuerordnungswidrigkeit vorliegen. Wir müssen Sachverhalte ermitteln", erläutert Michael Thelen, Leiter der Steuerfahndung in Hamburg. Die Diplom-Finanzwirte treten dann als Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft auf und haben Polizeibefugnisse.
"Wir tragen allerdings keine Waffen. Im Gegensatz zu Polizisten, die bei einer Durchsuchung nur gezielt Material für die Anklage beschlagnahmen, können wir jedoch schon an Ort und Stelle alle Unterlagen genau sichten und auswählen."
"Man kann auch Existenzen zerstören"
"In Deutschland gibt es etwa 2000 Steuerfahnder", sagt Dieter Ondracek, Bundesvorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG) in Berlin. Er selbst stand als solcher im Einsatz, ehe er oberster Interessenvertreter der Beschäftigten in den Finanzverwaltungen des Bundes und der Länder wurde.
Auf die Fahnder entfallen, wie aus den Statistiken des Bundesfinanzministeriums hervorgeht, durchschnittlich 46.000 Fälle pro Jahr. Ihre Arbeit führt zu zusätzlichen Steuereinnahmen in Milliardenhöhe, hohen Geldbußen und -strafen und natürlich auch Freiheitsentzug für die Überführten.
"Die Tätigkeit in der Steuerfahndung erfordert ein sehr hohes Verantwortungsbewusstsein, denn man taucht bei den Ermittlungen tief in die Lebensumstände des Verdächtigen ein und kann somit auch Existenzen zerstören", sagt Michael Thelen. "Wir stellen die Unschuldsvermutung an den Beginn unserer Arbeit und prüfen gezielt. Wir dürfen nicht ins Blaue ermitteln."
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