Von Fredmund Malik
Und die wirklich große Leistung ?
Dieser Gedanke ist faszinierend genug, um seine Gültigkeit zu prüfen. Ob man das Ergebnis als überraschend ansieht oder nicht, hängt davon ab, wie sehr man sich mit dem Wirken und den Leistungen so genannter "großer" Menschen befasst hat.
Praktisch alle großen Leistungen, vor allem das, was man Durchbrüche zu nennen pflegt, waren die Leistungen einzelner Menschen, manchmal Einzelner mit Helfern, aber so gut wie nie von Teams. Das gilt für sämtliche Kunstrichtungen: weder gibt es in der Musik Teamkompositionen noch Werke der Weltliteratur, die in Teams entstanden wären; weder ist Teammalerei bekannt noch haben die grossen Bildhauer im Team gearbeitet.
Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung gilt das auch in so hohem Maße für die Wissenschaft, dass man es ernst nehmen sollte. Die bedeutenden Werke der Philosphie, der Mathematik, der Natur- und der Geisteswissenschaften sind, von ganz wenigen Ausnahmefällen abgesehen, von Einzelnen geschaffen worden. Was äußerlich wie Teamarbeit aussieht und durch Gemeinschaftspublikationen scheinbar dokumentiert ist, erweist sich bei genauer Prüfung so häufig als Einzelleistung, dass der Teamgedanke auch hier fragwürdig wird.
Das Team ist ein Tool unter vielen
Teams sind Tools, genauso wie die Einzelarbeit. Weder darf man eine dieser Arbeitsformen einseitig ausklammern, noch darf man sie heroisieren. Wie man zu arbeiten hat, welches die optimale Form ist, muss von der Aufgabe bestimmt werden und nicht von Dogmen. Aufgaben müssen in der Welt der Organisationen so gestaltet werden, dass sie von gewöhnlichen Menschen (weil es andere nicht gibt), die gewöhnliche Fähigkeiten haben (weil sie keine anderen mitbringen), erfüllt werden können.
Wer Ergebnisse erzielen will, muss beides beherrschen: Teamarbeit und Einzelleistung, jedes dort, wo es passt. Wer Karriere machen will - oder vielleicht besser: nachhaltig Leistung erbringen will, und wer als Führungskraft auf das Vertrauen und die Achtung anderer Menschen angewiesen ist, muss es sich versagen, mit Schlagwörtern zu operieren und auf Modewellen hereinzufallen.
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