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12.09.2003
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Unternehmenskultur

"Kämpfe mit verheerenden Folgen"

Von Judith-Maria Gillies

Techniker sind autistische Bremser und PR-Leute arrogante Schnösel - zumindest in den Augen der lieben Kollegen, die oft keine hohe Meinung von anderen Abteilungen haben. Das ist ein Ergebnis der Studie, die Peter Schütz für sein Buch "Grabenkriege im Management" auswertete. Im Interview beschreibt er, was man gegen das Lagerdenken tun kann.

mm.de:

Herr Professor Schütz, der Titel Ihres Buchs "Grabenkriege im Management" lässt Firmen zu Schlachtfeldern werden. Wer kämpft da gegen wen?

  Peter Schütz  studierte nach einer Banklehre BWL in Köln, promovierte an der Ruhr-Uni Bochum und hat seit 1993 einen Marketing-Lehrstuhl an der Fachhochschule Hildesheim
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Peter Schütz studierte nach einer Banklehre BWL in Köln, promovierte an der Ruhr-Uni Bochum und hat seit 1993 einen Marketing-Lehrstuhl an der Fachhochschule Hildesheim

Schütz: Tatsächlich sieht es nicht gut aus in Deutschlands Unternehmen. Jeder kämpft gegen jeden: die Personalentwicklung gegen die Lohnabrechnung, der Vertrieb gegen das Marketing, die Entwicklungsabteilung gegen die Produktion. Vordergründig geht es bei den Schnittstellenproblemen um Arbeitsteilung, aber bei näherem Hinsehen offenbaren sich politische Spielchen, die sich um Macht, Karriere und Eigeninteresse ranken.

mm.de: Nach welchem Prinzip laufen die Kämpfe ab?

Schütz: Das ist immer dasselbe: Unter dem Tisch tritt man sich gegen das Schienbein. Auf dem Tisch bleiben die Vorlagen liegen.

mm.de: Welche Unternehmen sind besonders betroffen?

Schütz: Stark gefährdet sind schnell wachsende Firmen, Betriebe mit einem dünnen finanziellen oder personellen Polster und solche, die starkem Wettbewerb ausgesetzt sind. Außerdem ist besondere Vorsicht geboten bei personalintensiven Unternehmen und Firmen in liberalisierten Branchen wie Telekommunikation oder Energieversorung, in denen sich oftmals das alte Denken den neuen Marktverhältnissen noch nicht angepasst hat.

mm.de: Hört sich an, als seien Mittelständler außen vor.

Schütz: Keineswegs. Grabenkämpfe toben nicht nur in Konzernen, wie man vermuten würde. In allen Unternehmen mit mehr als einem Mitarbeiter gibt es Bruchstellen zwischen den Abteilungen, die die Arbeit enorm behindern. Die Studie hat gezeigt, dass bei Mittelständlern häufig die Führungsspitze selber der Treiber für die Kämpfe zwischen den Bereichen ist.

mm.de: Wie äußern sich die Kämpfe in der Unternehmenspraxis?

Schütz: Zum Beispiel durch Vorurteile über die gar nicht lieben Kollegen. Dies habe ich bei einer Gegenüberstellung zwischen Selbstbild und Fremdbild verschiedener Abteilungen herausgearbeitet.

Während sich beispielsweise Entwickler selbst als projektorientiert und systematisch arbeitende Kollegen einstufen, sehen Vertreter anderer Abteilungen in ihnen häufig arrogante Tüftler, die ihre Technikersprache pflegen.

Marketing-Manager verstehen sich als innovative Anwälte des Kunden, außenstehende Kollegen klassifizieren sie dagegen als hochnäsige Nebelwerfer und Verbalakrobaten. Und Controller fühlen sich als analysierende Unternehmensplaner, andere sehen in ihnen Ärmelschoner tragende Erbsenzähler, die mit spitzem Stift Ideen tot rechnen.

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