Von Andreas Ross
Machen Sie keinen zweitklassigen Mann aus sich"
Frauen, die sich an diese Regeln halten und obendrein statt betörendem Damenduft ein dezentes Unisex-Parfum auflegen, können den Personalchef an seinem schwächsten Punkt treffen: dem Unterbewusstsein. Viele Personaler sind fest davon überzeugt, ihre Entscheidung stets unabhängig vom Geschlecht des Kandidaten zu treffen. Unbewusst werden ihre Erwartungen an eine Bewerberin jedoch subtil von deren äußeren Merkmalen gesteuert, so die Ergebnisse der Doktorandin.
Männliche Gesichtszüge sind allerdings nicht bei jeder Bewerbung vorteilhaft. Wird vor allem eine kommunikative, zuhörende, vermittelnde Persönlichkeit gesucht, dann sammeln nach von Rennenkampffs Angaben weiblich dreinschauende Kandidaten Pluspunkte. Davon kann auch ein Mann mit Pferdeschwanz profitieren, dessen Krawatte vielleicht nur unterm Pullover hervorlugt.
Für Männer mit anmutig-weiblichem Äußeren, die lieber eine taffe Führungsposition besetzen wollen, ist guter Rat dagegen teuer. Wo Frauen mit Schminke und Schmuck zaubern können, bleibt dem männlichen Bewerber nur die Hoffnung auf die Aura des klassisch geschnittenen Business-Anzugs.
Von Rennenkampff, die am sozialpsychologischen Lehrstuhl der Uni Mannheim promoviert, hatte schon für ihre Diplomarbeit einschlägige Studien durchgeführt: 60 Studenten schlüpften in die Rolle der Personaler und bekamen die fiktiven Unterlagen von vier fachlich ebenbürtigen Bewerbern ("Petra Keller" und "Peter Keller") vorgelegt. Nur die Fotos variierten beträchtlich. Eine Bewerberin nahm letztlich besonders viele Personaler für sich ein - die Frau mit den ausgeprägtesten männlichen Attributen.
Die härtesten Fragen für das weichste Gesicht
In einem weiteren Versuch telefonierten die studentischen Personaler mit den angeblichen Bewerberinnen. Dabei konnten sie sechs von 18 vorformulierten Fragen auswählen. Je weiblicher die Kandidatin auf dem Bewerbungsfoto wirkte, desto härter wurde das Kreuzverhör. Während sich die Frau mit spitzem Kinn und zurückgekämmten Haar lange über ihre größten Erfolge auslassen durfte, mussten die angeblich weiblicheren Kandidatinnen ausführlich über ihre gravierendsten Fehler referieren.
Bewerbung: Verblüffende Kriterien
Doch warnt die Jungforscherin vor einem "Deckelungseffekt", will sagen: Frau kann es mit der Männlichkeit auch übertreiben. Eine kurzhaarige Bewerberin mit Damenbart und ungeschminkter Pickelhaut wird keinen Personaler von ihrer Führungsstärke überzeugen. Die Soziopsychologin mahnt: "Keine erstklassige Frau sollte versuchen, einen zweitklassigen Mann aus sich zu machen."
© manager magazin online 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH