Demnächst in Russland
Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen engagiere er sich nicht finanziell in den von ihm betreuten Firmen, erzählt Sternberg, der sich als "atypischen Business Angel" beschreibt. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass er keinen Profit aus den Unternehmen zieht, sobald diese aus dem Gröbsten heraus sind und Gewinn abwerfen.
Aber genau das sei auch eine Stärke in seinen Verhandlungen um Fördermittel etwa mit der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau. "Ich stehe Kreditgebern gegenüber ganz anders da, wenn diese wissen, dass ich nicht in meine eigene Tasche wirtschafte."
Business Angels sind in der Regel vermögende Privatpersonen, die junge Unternehmen bei ihren ersten Schritten in die Selbstständigkeit begleiten. Zumeist handelt es sich um ehemalige Manager oder Unternehmer, die Zeit und Geld in junge Unternehmen investieren, an deren Erfolg sie glauben. Oft erwirbt der Business Angel Anteile an der Firma seiner Schützlinge und verkauft diese im Erfolgsfall nach ein paar Jahren wieder. Damit profitiert er von der Wertsteigerung "seines" Unternehmens.
"Ich bin kein Workaholic"
Inzwischen verbringt Sternberg etwa drei Tage die Woche mit seiner Tätigkeit als "Coach". Gerade einmal 14 Tage Urlaub waren im letzten Jahr für ihn drin. "Ich bin aber kein Workaholic", weist er energisch entsprechende Vermutungen zurück. "Ich habe mich noch nie so ausgeglichen gefühlt." Gerade diese direkten, persönlichen Beziehungen zu Kunden waren es, die ihm in seiner Zeit als Bankenvorstand gefehlt haben.
Seine Frau, mit der er seit 35 Jahren verheiratet ist, verbringt derweil die meiste Zeit allein im Haus der Sternbergs auf Sylt. Manchmal meckere sie ja schon ein bisschen: "Mit wem bist Du eigentlich verheiratet: mit mir oder mit den Leuten, die Du coachst?", plaudert Sternberg aus dem Nähkästchen. Und setzt mit schalkhaften Lächeln hinzu: "Ein bisschen stolz ist sie aber auch auf mich."
Sein neuestes Projekt hat Sternberg, der auch Mitglied im Wirtschaftsrat der CDU ist, nach Russland geführt. Dort betreut er eine Regionalbank in Jekaterinburg. "Ein Hauch von Exotik" sei da durchaus mit ihm Spiel, räumt er ein. Der Kontakt zu der UralTransBank kam über das Büro der Weltbank in Moskau zu Stande. Mittlerweile hat Sternberg, dem einst schon Reisen von Frankfurt nach Rostock umständlich erschienen, bereits mehrere Abstecher in den Ural gemacht.
Die Verbindungen, die er bei seinen Reisen nach Russland knüpft, versucht er dann, "seinen" Unternehmen" hierzulande zur Verfügung zu stellen. "Dabei geht es um Kontaktpflege und Tipps bei rechtlichen Fragen, etwa Zulassungen auf dem russischen Markt", erläutert der Business Angel. Und nicht ohne stolz fügt er hinzu, dass er vor sechs Monaten angefangen hat, russisch zu lernen.
Michael Bauer, AP
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