Produkte für ängstliche Mütter
Diese Linie hat sein Vater Georg Hipp eingeschlagen. Er setzte 1956 als einer der ersten auf Öko-Landbau, überzeugt durch seinen Schweizer Freund und Bio-Verfechter Hans Müller. Sehr zum Ärger jedoch vieler Bauern, die sich der Umstellung oft verweigerten. "Die sagten: Der spinnt, der Hipp", erinnert sich Claus in einem Gespräch mit der "Frankfurter Rundschau". Sein Vater verlangte ihm im Alter von 18 Jahren ab, einen Verwalter zu entlassen, der das Konzept partout nicht umsetzen wollte.
Öko ist auch schon die wichtigste Innovation bei Hipp, wo man nicht allzu gerne experimentiert. Oder wie der Chef es ausdrückt: "Wir machen Produkte für die ängstliche Mutter." So war schließlich auch das Geschäft der Familie entstanden: Großmutter Maria Hipp brachte 1898 Zwillinge zur Welt, konnte sie nicht stillen und ängstigte sich um deren Leben. Ihr Gatte Joseph rührte Zwiebackmehl mit Milch an - die kleinen wuchsen und gediehen. Ebenso wie fünf weitere Kinder sowie das Geschäft des Konditors, der sich schließlich ganz auf Kindernahrung verlegte.
Hipp setzt jährlich rund 230 Millionen Euro um (2001), mit Brei, Milchprodukten, Säften und eigentlich allem, was ein Kindermagen verdauen mag. Auf dem immer engeren Markt behauptet sich das Unternehmen gut, wenn auch mit Sorgenfalten. 2002 gingen die Branchenumsätze um knapp drei Prozent zurück, da stimmt Hipp-Marketingleiter Reiner Tafferner schon zufrieden, dass er "die Marktposition behaupten" konnte.
Die Lebensenergie einer Babymilch-Reklame
Ungebrochen versprüht Klaus Hipp die Lebensenergie einer Babymilch-Reklame - und versteht sich als leuchtendes Beispiel. Seine Ställe mistet er selbst aus; in München fährt er mit dem Fahrrad; wenn er schon das Auto nimmt, dann eins, das mit Pflanzenöl läuft; die Fabrik am Stammsitz deckt ihren Energiebedarf ausschließlich mit nachwachsenden Energien; und bei aller Kritik, die er als Präsident der oberbayerischen Industrie- und Handelskammer an der Wirtschaftspolitik übt, plädiert er dennoch für "vorausschauenden Optimismus" und unternehmerisches Durchhalten am Standort Deutschland.
Mit Einschränkungen, freilich. Auch Teile seines Unternehmens firmieren mittlerweile in der steuergünstigen Schweiz. Da ist Claus Hipp doch ganz Geschäftsmann.
Deutschland, deine Unternehmer: Von Siegern und Verlierern
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