Donnerstag, 9. Februar 2012, 22:41 Uhr

manager magazin



14.05.2003
 

ZF Friedrichshafen

Wie der Bürgermeister ausgebootet wurde

Traditionell entstammt der Oberbürgermeister von Friedrichshafen dem bürgerlichen Lager. Ebenso traditionell wird das Stadtoberhaupt Aufsichtsratschef des milliardenschweren Autozulieferers ZF. Als die SPD ans Ruder kam, war Schluss mit Tradition.

Friedrichshafen - Wolf Hartmut Prellwitz (73) ist neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Autozulieferers ZF Friedrichshafen. Prellwitz war zuvor Vorstandschef des Maschinen- und Anlagenbauers IWKA in Karlsruhe.

  Beistand von Fachmann Prellwitz:  ZF-Chef Siegfried Goll
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ZF Friedrichshafen AG

Beistand von Fachmann Prellwitz: ZF-Chef Siegfried Goll

Mit der Wahl eines Fachmannes an die Spitze des ZF-Aufsichtsgremiums endet eine jahrelange Tradition. Bisher übte stets der Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen das Amt aus, da die Zeppelin-Stiftung, der die Aktien der ZF gehören, von der Stadt verwaltet wird.

Allein im letzten Jahr erhielt Friedrichshafen eine Dividende von 16,7 Millionen Euro aus dem Gewinn von ZF, das sind 6 Prozent des gezeichneten Kapitals.

Der seit Frühjahr 2001 amtierende Oberbürgermeister Josef Büchelmeier (SPD), der nach dem Ausscheiden seines abgewählten Vorgängers Bernd Wiedmann (CDU) an der Reihe gewesen wäre, hatte sich nach offizieller Lesart für einen Experten aus der Wirtschaft an der Spitze des ZF-Aufsichtsrates ausgesprochen.

Im Amt, aber ohne Würden

Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" war sein Verzicht aber keinesfalls so freiwillig, wie behauptet wird. Zuverlässigen Quellen zufolge war der 55-Jährige bei der Nominierung von der bürgerlichen Mehrheit im Gemeinderat aus CDU, Freien Wählern und Unabhängigen gezwungen worden, das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden nicht anzutreten.

Außerdem musste er akzeptieren, dass auch der Ex-OB Bernd Wiedmann (61) einfaches Mitglied im Gremium bleibt. Die CDU ist offenbar noch immer erbost über die knappe OB-Wahl, die Büchelmeier damals mit nur 83 Stimmen Vorsprung gewann.

Prellwitz dagegen sei eine Verlegenheitslösung, heißt es aus ZF-Kreisen. Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder des Großkonzerns mit 56.000 Arbeitsplätzen seien über die Entscheidung besorgt. "Die enge Anbindung des OB an den Konzern ist sinnvoll und hat sich bewährt," sagt ein Kenner.

Pellwitz beginnt seine Tätigkeit zur Unzeit. ZF erwartet für 2003 kaum Wachstum. Zwar sei im ersten Quartal der Umsatz um ein Prozent auf 2,313 Milliarden Euro gesteigert worden. "Für mich bedeutet das Stagnation", sagte ZF-Vorstandschef Siegfried Goll bei der Bilanzpressekonferenz Ende April in Stuttgart.

Im Geschäftsjahr 2002 hat ZF einen Gesamtumsatz von 9,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. Auch deswegen wiegelt Goll ab. "Es gibt keinen Grund zu besonderem Gejammer", so Goll. Für die kommenden Jahre erwartet der ZF-Chef Zuwachsraten im oberen einstelligen Prozentbereich.

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