mm.de: In Ihrem Buch merken Sie dazu an, dass es vor allem darauf ankommt, Selbstbild und Fremdbild in Einklang bringen. Wie kann der Mitarbeiter das erreichen?
Wehrle: Das klappt am besten dann, wenn es regelmäßige Mitarbeitergespräche gibt. Da habe ich als Beschäftigter die Chance zu erfahren, wie der Chef mich sieht. Wenn ich dann feststelle, dass er meine Leistungen nicht wirklich wahrnimmt, muss man die Gründe dafür analysieren. Nur dann lässt sich das ändern.
mm.de: Was sollte der Mitarbeiter noch in diesem Gespräch beachten?
Wehrle: Mitarbeitergespräche sind heute bei Vorgesetzten auch deshalb beliebt, weil man dort auch Ziele definieren kann, an denen sich variable Gehaltsbestandteile festmachen. Für den Mitarbeiter ganz wichtig: Es sollten verschiedene Stufen auf dem Weg zum Ziel vereinbart werden, und diese Etappenziele sollten so definiert sein, dass sie objektive messbar sind. Begriffe wie "zur vollen Zufriedenheit des Vorgesetzten" lassen dem Chef immer die Hintertür offen, im Zweifelsfall zu sagen: "Ich war nicht hundertprozentig zufrieden." Und schon gilt das Ziel als nicht erreicht.
mm.de: Wie hat sich die Konjunkturkrise auf das Thema Gehaltsverhandlungen ausgewirkt?
Wehrle: Ein Trend ist deutlich zu beobachten: Es werden immer weniger Gehälter nur deswegen erhöht, weil man eine bestimmte Position innehat. Stattdessen läuft es immer mehr darauf hinaus, dass man sein Gehalt individuell verhandelt. Und jetzt, da die Unternehmen so viele wirtschaftliche Probleme haben, brauchen sie ja vor allem solche Mitarbeiter, die wirklich Leistungen bringen.
mm.de: Die Chancen auf eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung haben sich also durch die Wirtschaftskrise nicht verschlechtert?
Wehrle: Das hängt natürlich auch vom Profil des Mitarbeiters ab. Es gab Ende letzten Jahres eine Studie, aus der hervorgeht, dass nur 15 Prozent aller Mitarbeiter wirklich engagiert arbeiten. Wenn man zu diesen 15 Prozent gehört, hat man auch in den heutigen Zeiten noch ganz gute Chancen.
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