"Es gibt eine große Menge Buschfunk, bestätigt auch Berthold Vogel vom Soziologischen Forschungsinstitut an der Universität Göttingen. Die Göttinger Forscher untersuchten Leiharbeit und befristete Jobs - und fanden jede Menge Unbehagen, weil die meisten Betroffenen die Aussicht auf eine feste Übernahme hatten, aber kaum Zusagen. "Wichtig werden dann symbolische Gesten wie ein eigener Spind oder Arbeitskleidung mit dem Logo der Firma", sagt Vogel.
Konkret angekündigte Stellenstreichungen bringen nach Messungen von Psychologen unmittelbar eine Menge Stress. "In Unsicherheitsphasen sind Stresshormone deutlich erhöht", sagt Mohr, "sie gehen sogar erst einmal herunter, wenn eine Kündigung auf dem Tisch liegt." Gerade die "Handlungsohnmacht" - soll man weitermachen, wie bisher oder sich vielleicht doch schon einmal auf dem Jobmarkt umsehen? - sei kritisch.
Bringen härtere Zeiten dabei mehr Solidarität oder Konkurrenz und verdeckte Spiele hervor? Je besser das Grundklima, je weniger hierarchisch und je kleiner ein Betrieb sei, desto loyaler gingen die Kollegen meist auch in schwierigen Zeiten miteinander um, meint Kleinberger Günther. Doch in der Regel führen "Verknappungsprozesse", sagt Psychologin Mohr, zu mehr Konflikten und weniger Motivation.
"Von anderen an die Seite gedrückt"
Ein Ausschluss von nicht-offiziellen Unterhaltungen kann dabei durchaus Methode haben, wie Thomas Ketnath, Mobbing-Berater bei der Münchner Kolping-Akademie, sagt. "Leute, die nicht mehr mitkommen, werden von anderen an die Seite gedrückt", sagt er, "man unterhält sich nur noch in beschränktem Rahmen mit ihnen." Doch ebenso Erfolg könne Menschen zur Zielscheibe von neidischen Kollegen machen. Der Beratungsbedarf bei Mobbing sei in jüngster Zeit jedenfalls gestiegen.
Wem Flurfunker nicht nur in spielerischem Austausch von Informationen, sondern mit bösen Absichten über den Weg laufen, rät Ketnath zur Offensive: "Mobbing-Opfer sollten sich in der Regel an den Vorgesetzten wenden."
Und Psychologin Mohr empfiehlt Chefs ein einfaches Rezept gegen nachlassende Leistung und Motivation ihrer Mitarbeiter in harten Zeiten: größtmögliche Offenheit.
Basil Wegener, dpa
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