Donnerstag, 9. Februar 2012, 18:45 Uhr

manager magazin



21.01.2003
 

Prozess

Täter oder Opfer?

Seit heute steht der ehemalige TV-Moderator Karsten Speck wegen Betrugs vor Gericht. Auch die Ehefrau und Managerin des 42-Jährigen ist angeklagt. Es geht um dubiose Immobiliengeschäfte und ungedeckte Kredite.

Dortmund - Im Blitzlichtgewitter zahlreicher Pressefotografen hat Schauspieler Karsten Speck (42) am Dienstag auf der Anklagebank des Dortmunder Landgerichts Platz genommen.

  Unschuldig?  Karsten Speck und Frau Cora
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DPA

Unschuldig? Karsten Speck und Frau Cora

Dem TV-Moderator wird gewerbsmäßiger Betrug in sechs Fällen vorgeworfen. Zusammen mit seiner Ehefrau Cora (41), die ebenfalls angeklagt ist, soll Speck Mitte der 90er Jahre in dubiose Immobiliengeschäfte verstrickt gewesen sein.

Auf der Anklagebank sitzen außerdem vier Männer aus Hamm und Bergkamen. Der Hauptangeklagte, ein 37 Jahre alter Krankenpfleger aus Hamm, soll für den Großteil des Gesamtschadens von rund 30 Millionen Euro verantwortlich sein.

Die Staatsanwaltschaft hat die Vorwürfe gegen das Sextett in einer fast 100 Seiten starken Anklageschrift zusammengefasst. Am ersten Prozesstag reichte die Zeit nicht einmal aus, sie komplett zu verlesen.

"Dieser Mann ist um seine Existenz gebracht worden"

Laut Anklage hat Karsten Speck mit dem mutmaßlichen Haupttäter aus Hamm im Frühjahr 1996 unter anderem eine Familie aus Brandenburg betrogen. Der Fernsehschauspieler soll mit den Geschädigten eine eigene Gesellschaft gegründet haben, um mehrere Grundstücke zu bebauen und zu vermarkten.

Laut Staatsanwaltschaft ging es Speck und dem Hauptangeklagten jedoch nur darum, Geld zu kassieren. Die Grundstückseigentümer steuerten angeblich hohe Kreditsummen bei. Weil die Bauarbeiten jedoch nie vollständig ausgeführt worden seien, sei es auch nie zu der beabsichtigten Vermarktung gekommen. Der Schaden soll sich allein in diesem Fall auf mehrere hunderttausend Mark belaufen.

Rechtsanwalt Andreas Hanikel, der Specks Frau Cora im Prozess verteidigt, äußerte in einer Prozesspause Kritik an der Anklageschrift. "Dass die Specks von den anderen selbst massiv betrogen worden sind, liegt doch wohl auf der Hand", sagte der Verteidiger. Er bleibe dabei, dass der TV-Star in seinen Augen mehr Opfer als Täter sei. Das werde sich im weiteren Verlauf der Hauptverhandlung auch herausstellen. Auch der 50-Jährige aus Bergkamen fühlt sich unschuldig. Sein Verteidiger Ingo Minoggio erklärte: "Dieser Mann ist von den anderen um seine Existenz gebracht worden."

Der Prozess soll nun am Donnerstag, 30. Januar, mit der Verlesung der restlichen Anklageschrift fortgesetzt werden. Danach wird sich das Gericht vermutlich zuerst der Aufarbeitung der Vorwürfe gegen Karsten Speck und seine Ehefrau widmen. Möglicherweise könnte das Urteil gegen den Schauspieler dann schon früher als bei den übrigen gesprochen werden. Der Prozess ist vorsorglich bereits bis Ende Juli terminiert.

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