Berlin - Paulus Neef ist einer der letzten einstigen Internetstars, die die Bühne verlassen. Erst Anfang Dezember sagte er voller Optimismus, dass er nicht vorhabe, zu gehen. "Ich bleibe auf jeden Fall und plane keinen Rückzug", sagte er. Nun ist sein Abgang beschlossen - freiwillig oder erzwungen. Dass sich Neef von seinen Aktien trennen will, steht schon länger fest.
Plötzlich allein auf weiter Flur: Paulus Neef
Anders als den inzwischen gescheiterten Showleuten des Neuen Marktes wie den Haffa-Brüdern oder Peter Kabel lagen dem studierten Medienberater Neef öffentliche Auftritte und PR-Rummel weniger. Er war allerdings eher ein Mann der Visionen und weniger der Betriebswirtschaft.
Vom Paulus zum Saulus
Er träumte von "offenen, harmonischen" Strukturen. Gute Webseiten wollte er gestalten und das weltweit für namhafte Kunden. Mit Mitarbeitern, die sich "Pixel" nannten und "Paulus" duzten im lockeren Start-up-Flair. Eine Dependance nach der anderen wurde eröffnet, das Geschäft wurde breiter und internationaler.
Als die Zeiten rauer, Pixelpark-Aktien wertloser und der Spaßfaktor geringer wurden, musste sich Neef als einer der ersten "New-Economy"-Jünger sogar mit bisher verpönten Betriebsräten auseinander setzen - wie in einer Autofabrik. Nach den Pannen gestand Neef später: "Wir haben Fehler gemacht." Innovative Ideen allein, das habe er gelernt, seien keine Basis für stabile Wirtschaftlichkeit.
"Der Neue Markt war das Woodstock der New Economy"
Unbestritten war Paulus Neef ein begnadeter Verkäufer, der die Großkonzerne von den Segnungen des Internet überzeugen konnte. Sein großes Plus: er selbst war von seinen Visionen absolut überzeugt und hatte ein Charisma, das fast an Sendungsbewusstsein grentzte. So beschreiben ihn auch die Mitarbeiter der ersten Stunde.
Kathedrale des chaotischen Internet-Katechismus: Pixelpark Zentrale in Berlin
Zu den "gefallenen Engeln" des Neuen Marktes gehört der heute 42-Jährige spätestens seit Bekanntgabe des Pixelpark-Rekordverlustes von 86 Millionen Euro im Jahr 2001. Aber anders als Peter Kabel und Konsorten blieb Neef seinem Unternehmen treu - bis zur bitteren Neige. Jetzt macht er das Licht aus, seine Ära ist vorbei.
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