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26.10.2002
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Karriere

Die Nadel im Heuhaufen oder Warum Frauen so unsichtbar sind

9. Teil: Die bequeme Illusion

"Ausschlaggebend für die Vereinbarkeit von Kind und Karriere ist offenbar das höhere Maß an individuell flexibler Arbeitszeit", interpretiert Bischoff ihr Ergebnis. Aber in Deutschland wird nahezu alles dereguliert, nur nicht die Regeln für die Arbeitszeiten.

Bände spricht auch, dass Bischoffs Studien zufolge nur acht Prozent der Chefinnen in Unternehmen mit Frauenförderprogrammen arbeiten. Umgekehrt betrachtet, kommt auch kein schöneres Bild heraus: In den Unternehmen mit Fördermaßnahmen haben Frauen weder höhere Positionen noch bessere Gehälter erzielt als in denen ohne.

Die Managerinnen könnten ihrerseits gut ohne das ganze Getrommel leben: Nur sieben Prozent der Frauen und zwei Prozent der Männer glauben, dass entsprechende Projekte den Frauenanteil schnell und nachhaltig erhöhen; beide Gruppen sind eher der Meinung, sie seien als "zeitgemäße PR-Maßnahmen zu interpretieren".

31 Prozent der Befragten ist gar der Meinung, dass Damenprojekte eher die Abwehrhaltung der männlichen Entscheidungsträger fördern als das Vorankommen der Frauen. Viel sinnvoller wäre es wohl, den Frauen endlich gleiches Geld für gleiche Arbeit zu bezahlen - schon weil sie dann leichter ihre Kinderbetreuung finanzieren könnten.

Außerdem ginge dann die Diskussion abends am Küchentisch "Schatz, ich bin schwanger. Wer bleibt denn nun von uns beiden zu Hause?" nicht grundsätzlich zu ungunsten der Mütter aus. Stattdessen verdienen Frauen - wie oben schon mal ausgeführt - "auf jeder Führungsebene weniger als Männer in der gleichen hierarchischen Position", wie Bischoff erforschte.

Beispielsweise hatten 33 Prozent der befragten männlichen leitenden Angestellten über 100 000 Euro auf dem Gehaltszettel, aber nur 24 Prozent der weiblichen. Das allerschlimmste kommt aber noch: Steigt in einem Unternehmen der Anteil der Frauen in Führungspositionen, sinkt anschließend das Einkommensniveau für Frauen und Männer. Was zum Teufel haben die Damen Frauenbeauftragten bloß 20 Jahre lang gemacht?

Fazit: Jeder, ob Mann oder Frau muss Verantwortung für das eigene Leben übernehmen, und jeder Pfad zum privaten Glück ist gleich viel wert, ob er ins Hausfrauendasein oder auf den Vorstandssessel führt. Aber: Frauen müssen sich von der kollektiven Lebenslüge "Die Männer lassen uns nicht" verabschieden.

Verweigerung und Schuldzuweisungen führen nicht an die Macht. Ob eine Frau Vorstand wird oder Hausfrau, hat vor allem etwas mit den eigenen Entscheidungen zu tun, alles andere ist ein bequeme Illusion.

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