"Positiv denken macht auf Dauer krank"
Die schillernden Propheten der vergangenen Jahre haben sich selbst entzaubert. Das wird einen besonders freuen. Der Psychotherapeut Günter Scheich aus dem westfälischen Oelde führt seit Jahren einen Kampf gegen die selbst ernannten Heilsbringer des Glücks.
"Positiv denken macht auf Dauer krank", sagt Scheich, der eine Lanze für die gelegentlich schlechte Laune brechen will. "Negiert man nämlich all die negativen Gedanken, die in einem sind, löst das Identifikationskrisen aus, und das Realitätsempfinden geht kaputt. Folge: Die Frustrationstoleranz sinkt, man wird depressiv, weil zwangsläufig nicht alle Erwartungen erfüllt werden können."
Später komme mitunter "Zwanghaftigkeit oder Schizophrenie dazu". Die Zahl von Scheichs Patienten, die in den vergangenen Jahren auf Grund übertrieben positiver Denkdogmen zu ihm kamen, sei sprunghaft gestiegen. "Der Druck, zu der Gruppe der immer Erfolgreichen und immer Gutgelaunten gehören zu wollen, wächst ständig."
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