Hamburg - "Alles ist möglich, du musst es nur wollen" - dass dem nicht so ist, beweist der insolvente Pleitegeier und ehemals Deutschlands berühmtester Motivationstrainer Jürgen Höller selbst. Er predigte in seinen Seminaren: "Du kannst es, wenn du nur willst" - hat er nicht genug gewollt?
"Steig' ab vom Pferd, wenn es tot ist" zitiert der SPIEGEL den gescheiterten Großmotivator. Doch nun liege die Branche leichenstarr da und der Reiter muss umsatteln. Guru Höller habe ein Problem. Die Schar seiner Gläubiger sei inzwischen größer als die der Gläubigen. Seine Botschaften wolle kaum einer mehr hören. Immer mehr Firmen verzichten auf die teuren Motivationsseminare, berichtet das Magazin.
"Du kannst es" - nicht
Sein Absturz sei kein Zufall, sondern ein Symptom, so der SPIEGEL weiter. Derzeit herrsche in der Weiterbildungsbranche Fronleichnams-Tristesse. Trainestars wie Emile Ratelband, Bodo Schäfer, Ulrich Strunz oder Erich Lejeune - das Credo dieser Prototypen der vergangenen Jahre für Erfolg und "Du kannst es, wenn du nur willst" hat ausgedient.
Höller ist pleite, die Fernsehsendung mit Ratelbands Sofort- und Fernheilungsallüren wurde abgesetzt, Schäfers frühere Firma Finanz Coaching musste ebenfalls Insolvenz beantragen. Und der Unternehmer Lejeune, heute nebenbei Moderator beim Münchner Lokalsender TV München, wird unter Journalisten verhöhnt, weil er zu seiner Sendung "Börsenquartett" gelegentlich und der Einfachheit halber Kollegen einlädt.
© manager magazin Online 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH